Neue Südkurve Eine ganz neue Südkurve hat Uli Hoeness für die Saison 2007/08 angekündigt, nachdem die Vereinsführung des FC Bayern 73 Mitgliedern der Schickeria ein bundesweites Stadionverbot über 5 Jahre ausgesprochen und 700 Jahreskarten gekündigt hat. Denn seine Gäste müsse man sich ja noch aussuchen dürfen. Ein Großteil der 700 Jahreskarteninhaber, die ihre Bestätigungsschreiben beim Umzug in die Allianz-Arena mit uns zusammen abgeben hatten und fortan fälschlicherweise und gegen alle Absprachen als Schickeria-Mitgliederliste geführt wurden, haben ihre Jahreskarten mittlerweile wieder. Nachdem die Vereinsführung des FC Bayern mit ihrer unverschämten Vorgehensweise mal wieder so weit gegangen war, dass sie ihr Vorgehen niemandem mehr rechtfertigen konnten, mussten sie nach Protesten zurückrudern.

Gedächtnisprotokoll von Rechtsanwalt Marco Noli

Die “Schickeria” Mitglieder trafen sich um 9:00 Uhr am Münchner Marienplatz um gemeinsam zum Hauptbahnhof zu fahren. Dort wurden Sie bereits am Bahnsteig von gut einem Dutzend uniformierter Bahnpolizisten empfangen, die sporadisch die Personalien eintreffender Bayernfans kontrollierten, wobei nicht ganz klar wurde welchen Zweck dies verfolgte.

An der Abreise wurde keiner der Fans gehindert. Sämtliche Bayernfans wurden im letzten Wagon des Zuges separat von den anderen Fahrgästen untergebracht. Die Fans wurden im Zug von ca. 10-15 uniformierten und gepolsterten Bahnpolizistinnen/en, sowie zwei szenekundigen Beamten in Zivil begleitet.

Die uniformierten Polizeikräfte verteilten sich im Bereich der Zugtüren. Ihre primäre Aufgabe war es offensichtlich, zu verhindern dass gegnerische Fans oder andere Fahrgäste in den Zugteil mit den Bayernfans gelangen. Die beiden szenekundigen Beamten durchschritten immer wieder den Zug, offenkundig um die Lage zu sondieren und zu sehen, um welche Personen es sich unter den Fans handelt.

Die Zugfahrt verlief sehr ruhig und entspannt ohne jegliche Zwischenfälle.

In Ulm stieg die Gruppe der “Schickeria” in einen anderen Regionalzug um, wiederum begleitet von den uniformierten und zivilen Bahnpolizisten. Kleinere Diskussionen ergaben sich nur, wenn einzelne Fans versuchten zu den Toiletten in den angrenzenden Zugteilen zu gelangen, was Ihnen von den Polizisten verwehrt wurde. Ein Polizeibeamter versperrte dazu kurzerhand mit einem mitgeführten Vierkant-Schlüssel eine Verbindungstür im Zug. Nach einiger Zeit überlegte er es sich jedoch anders und löste die Sperre wieder, da dies sicherlich auch mit den Vorschriften der Zugsicherheit nicht ganz im Einklang stand. Stattdessen wurden die Fans allerdings persönlich (”schleich di, drah um”) wieder zurück in den für sie vorgesehenen Zugbereich befördert.

In Bad Cannstatt stiegen die Fans aus um zu Fuss zum Stadion zu gehen. Am dortigen Bahnhof erwartete sie bereits ein riesiges Aufgebot der Polizei. Ca. 45 mit Kampfanzug und Helm ausgestattet Polizisten, begleitet von ca. 12 berittenen Polizisten und ca. 12 Mannschaftswagen, empfingen die ca. 160 Schickeria Fans direkt nach Verlassen des Bahnhofs Bad Cannstatt. Nachdem die Fans einen Pulk gebildet hatten, setzte sich die Gruppe in Gang, vorneweg fuhr ein Lautsprecherwagen der Polizei, auf dem sich ein Polizist mit Videokamera postierte und die hinterherlaufende Menschengruppe ständig abfilmte.

So wurde die Gruppe vom Bahnhof zum Stadion geleitet, wobei die Polizeibeamten den Weg und die Geschwindigkeit vorgaben und ein Verlassen der Polizeikette ebenso verhinderten wie z.B. ein Stehenbleiben. Links und rechts eingesäumt von Polizisten, von hinten geschoben durch mehrere Polizeipferde und immer dem vorausfahrenden Videowagen folgend, erinnerte das Bild ein wenig an eine Viehherde die durch die Landschaft getrieben wird. Die Fahrstraße zum Stadion war auf einer Fahrspur von der Polizei gesperrt worden, weshalb man zunächst auf der Straße ging.

Die Fans waren trotz des martialischen Auftritts der Polizei entspannt und friedlich. Wenn einzelne Fans versuchten, die Polizeiabsperrung zu verlassen, etwa um an der am Wegesrand liegenden Tankstelle ein Getränk zu kaufen, wurden sie daran gehindert. Keiner durfte die Polizeiumrandung durchschreiten.

Auf dem letzten Teilstück vor dem Stadion beschloss die Polizei plötzlich, dass die begleiteten Fans nun sämtlich auf dem Bürgersteig gehen sollen, obwohl eigentlich die gesamte rechte Fahrspur gesperrt war. Dies wurde jedoch von den Fans trotz der Enge des Bürgersteigs befolgt. Etwas unverständlich war jedoch das äußerst offensive und schroffe Vorgehen einiger berittener Polizisten, die so nah an die Gruppe heranritten, dass Berührungen mit den Fußgängern gar nicht zu verhindern waren, offensichtlich sollte hier noch einmal mit Nachdruck darauf hingewirkt werden, dass die Fans den Bürgersteig zu benutzen haben. Dieses Verhalten war jedoch aus meiner Sicht völlig unnötig und überflüssig. Zum einen war die Straße extra gesperrt worden, weshalb nicht ersichtlich war, weshalb man nicht weiter wie bisher auf der Strasse gehen konnte und zweitens gab es auch keine konkreten Ansagen etwa über die Lautsprecheranlage.

Als dann vereinzelte berittene Polizisten die Menschenmenge richtiggehend auf den Bürgersteig drängten, kam es natürlich zu Unruhe unter den Fans. Bei einem Zwischenfall hat einer der reitenden Polizisten seinen Schlagstock gezogen und in drohender Pose ausgeholt, weil einige Fans wohl aus seiner Sicht seinem Pferd zu Nahe gekommen waren. Die Situation hat sich dann jedoch wieder beruhigt und wir erreichten den Stadioneingang der Gästefans.

Am Stadioneingang wurde mir berichtet, dass der private Sicherheitsdienst des Stadionbetreibers Personen, die offensichtlich sehr stark alkoholisiert waren, den Zutritt zum Stadion verwehrte. Dagegen ist sicherlich nichts einzuwenden. Allerdings wurden auch die Eintrittskarten der Betroffenen einbehalten, obwohl diese gar nicht das Stadion betreten durften. Von einigen Betroffenen wurde versucht, die Karten deshalb auf andere Personen zu übertragen, die keine Karten hatten. Dies wurde vom Ordnungsdienst aber untersagt. Im Zusammenhang mit diesen Diskussionen versuchte einer der mitgereisten Mitarbeiter des Fanprojekts München zu schlichten. Er wurde jedoch von den Ordnern abgewiesen mit der Begründung, man wisse gar nicht, was das Fanprojekt überhaupt sein soll.

Nach dem Spiel sammelte sich die Schickeria Gruppe wieder vor dem Stadion und begab sich unter Polizeibegleitung Richtung Bahnhof. Begleitet wurden sie zusätzlich von ca. sechs szenekundigen Beamten in Zivil. Neben den stuttgarter SKBs waren auch SKBs aus München anwesend. Der Rückweg verlief ebenfalls friedlich. Die Polizeibeamten bildeten unter anderem an einer Tankstelle eine Sperre mit uniformierten Beamten um ein direktes Aufeinandertreffen mit den dort aufhältigen Stuttgarter Fans zu vermeiden.

Am Rand der Gruppe entwickelte sich kurz vor Erreichen des Bahnhofs dann ein verbale Auseinandersetzung zwischen einem Fan und einem Polizisten in deren Verlauf der Fan den Polizeibeamten beleidigt haben soll. Dies hatte zur Folge dass einer der mitfahrenden Polizeiwagen herbeigerufen wurde. Aus dem Fahrzeug sprangen einige uniformierte Polizisten und zerrten den Fan aus der Menge heraus in den Polzeiwagen. Der Wagen fuhr daraufhin blitzschnell weg. Die Schickeria Gruppe war von diesem Polizeieinsatz überrascht. Sie erhielt keine Informationen darüber, was denn eigentlich vorgefallen war. Auch den mitreisenden Fanprojektsmitarbeitern wurde keine Auskunft erteilt, da auch die Polizeibeamten der Stuttgarter Polizei überraschenderweise mit dem Begriff “Fanprojekt” nichts anfangen konnten.

Die Lage entspannte sich erst wieder, als die Polizei über Lautsprecher den Grund der Festnahme und das weitere Vorgehen bekanntgab. Dies geschah aber erst auf Anraten der mitgereisten Fanprojektsmitarbeiter. Nachdem ich mich als Rechtsanwalt auswies, erhielt ich vom Einsatzleiter der Polizei die Information, dass der Beschuldigte zur Stadionwache gebracht werde, um dort die Personalien festzustellen und eine Atemalkoholmessung durchzuführen. Ich begab mich umgehend dorthin. Die Wache befindet sich im Stadion unterhalb der Haupttribüne. Der Beschuldigte wurde daraufhin nach erfolgter Personalienfeststellung und Atemalkoholmessung umgehend aus der Stadionwache entlassen und konnte die Heimreise antreten. Den Zug der restlichen Schickeria Gruppe hatte er durch die vorläufige Festnahme allerdings verpasst.

Marco Noli
Rechtsanwalt

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