Kein Zwanni für nen Steher! Auch bei uns?

Der interessierte Fußballfan wird von der Initiative „Kein Zwanni für nen Steher!“ sicherlich gehört haben. Dortmunder Fans nahmen die überteuerten Preise für ihr Derby auf Schalke zum Anlass, in einer breit angelegten Kampagne gegen die sich immer schneller drehende Preisspirale zu protestieren. Öffentlichkeitswirksam wurde ein Boykott des Auswärtsspiels in Gelsenkirchen organisiert, dem sich eine beachtliche Zahl Fans anschloss. Bedenkt man, welche Bedeutung ein Derby für jeden Fußballfan hat, wird deutlich, welches Opfer die Dortmunder Fans auf sich genommen haben, um ein Umdenken zu erreichen, von dem alle Fans bundesweit profitieren würden.
Für unser Spiel in Gelsenkirchen müssen wir jetzt ebenfalls 20 Euro für einen Stehplatz bezahlen! Noch in der letzten Saison war der Preis auf Schalke mit 13 Euro deutlich moderater. Der drastische Preisansteig ist schwerlich nachzuvollziehen. Ein weiterer interessanter Vergleich ergibt sich, wenn man sich den Preis für einen Stehplatz derselben Partie aus dem November 2006 anschaut. Vor gerade einmal vier Jahren mussten wir Bayernfans auf Schalke nur 9 Euro für einen Stehplatz zahlen. Damit hat sich der Preis in dieser kurzen Zeit mehr als verdoppelt!

FUSSBALL MUSS BEZAHLBAR SEIN
Wir wollen an dieser Stelle aber nicht weiter auf dem FC Schalke rumreiten, schließlich sind die Preise hier nur ein passendes Beispiel für eine Entwicklung, die eigentlich überall zu beobachten ist. In den Stadien der Republik wird eine Preispolitik betrieben, die zwar im Vergleich zu anderen europäischen Top-Ligen moderat erscheint, der gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs, die dessen Funktionäre ja gerne immer wieder betonen, aber schon lange nicht mehr gerecht wird. Die gestiegenen Eintrittspreise machen eben auch bei uns in Deutschland sozial benachteiligten Fans den Besuch im Stadion unmöglich. Will man beispielsweise als Familie mit Kind ins Stadion gehen, zahlt man mit allem Drumherum mehr als so mancher Urlaub für die Familie kosten würde. Bedenkt man, dass so gut wie jeder von uns das erste Mal mit seinen Eltern ins Stadion gegangen ist und über diesen Besuch die Liebe zu seinem Verein entdeckt hat, wird klar, dass sich die Vereine gerade den Ast absägen, auf dem sie selber (und wir auch) sitzen. Es drängt sich dabei der Verdacht auf, dass über teurere Eintrittspreise das Publikum ausgetauscht werden soll. Dass der Volkssport Fußball dadurch seinen Charakter verliert, wird anscheinend in Kauf genommen.

GEGEN TOPSPIELZUSCHLÄGE
An dieser Stelle wollen wir nochmal auf das Beispiel Schalke zurückkommen und uns die Preiserhöhung von 7 Euro genauer anschauen. 2 Euro sind dabei anscheinend die „normale“ Preiserhöhung, 5 Euro der in Gelsenkirchen neu eingeführte sogenannte Topspielzuschlag. Die Vereine erheben diese seit einiger Zeit zunehmend – man kann schon fast sagen inflationär. Wir als Fans des FC Bayern München sind von diesem Topspielzuschlag so betroffen wie keine anderen Fans in Deutschland. Für jeden Verein der Bundesliga ist das Heimspiel gegen den FC Bayern das Topspiel der Saison, die Karten sind stets begehrt und nahezu überall wird mit ausverkauftem Haus gerechnet. Uns ist auch klar, dass ein Spiel gegen den FC Bayern eine Besonderheit darstellt, worüber wir auch sehr froh sind und dass für solche Topspiele auch ein Preiszuschlag in gewissem Maße vertretbar ist. Für uns als Gästefans stellt dies aber nichts anderes dar als eine Ungleichbehandlung. Die Fans des FC Bayern zahlen bei fast jedem Bundesligaspiel den Topspielzuschlag und werden somit viel öfter zur Kasse gebeten, als jeder andere Fan in Deutschland.

Den Vergleich bleiben wir Euch natürlich nicht schuldig: In der Saison 2008/2009 zahlten die Fans des FC Bayern im Bremer Weserstadion für einen Stehplatz 16,- Euro, die Fans des VfL Bochum lediglich 11,- Euro, beim Hamburger SV zahlten die Bochumer Fans 7,- Euro weniger als die Fans des FC Bayern (19,- Euro FC Bayern, 12,- Euro VfL Bochum). Auch in Stuttgart und Mönchengladbach wurden den FCB-Fans jeweils 5 Euro mehr abgenommen als dem Bochumer Anhang. Im Berliner Olympiastadion betrug der Unterschied gar 10,- Euro (21,- Euro FC Bayern, 11,- Euro VfL Bochum). Auch bei den restlichen Spielen der Saison 2008/2009 zahlten die Fans des FC Bayern mit Ausnahme von lediglich 2 Spielen (bei Eintracht Frankfurt und Schalke 04) jeweils mehr Eintritt.

Im darauffolgenden Spieljahr 2009/2010 stiegen neben den Eintrittspreisen auch wieder die Topspielzuschläge. Bei Hertha BSC und dem Hamburger SV zahlten die Fans des FC Bayern im Vergleich zu den Bochum-Fans jeweils 10,- Euro mehr für die günstigste Gästekategorie, in Stuttgart, Mönchengladbach, Nürnberg, Bremen und bei der TSG Hoffenheim zahlten die Fans des FC Bayern München jeweils 5,- Euro mehr als die Bochumer Anhänger. In der vergangenen Saison war der Preis dann bei 5 Spielen (Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Köln, Mainz sowie Schalke 04) exakt gleich, was jedoch größtenteils damit zu tun hatte, dass die Fans des VfL Bochum nun tiefer in die Tasche greifen mussten und keineswegs auf einen Topspielzuschlag verzichtet wurde, die Preise stiegen einfach an.

Am Ende der Saison 2008/2009 haben Fans, die alle Auswärtsspiele des FC Bayern besucht haben, im Vergleich zu den Fans des VfL Bochum knapp 50,- Euro mehr gezahlt, in der Saison 2009/2010 waren es dann bereits 54,- Euro mehr.

Hierbei wird jeweils von nicht ermäßigten Eintrittskarten im Stehplatzbereich oder günstigsten Sitzplatzbereich ausgegangen, sofern keine Stehplätze für Gästefans zur Verfügung stehen. Die Thematik macht natürlich auch vor den Sitzplätzen für Gästefans keinen Halt.

WIE GEHT ES WEITER?
Anhand dieser Ausführungen wird deutlich, dass wir es mit zwei Problemen zu tun haben, die den gleichen Effekt nach sich ziehen, nämlich ständig steigende Eintrittspreise, die immer mehr Fans den Stadionbesuch unmöglich machen. Bei dem einen Problem handelt es sich um einen generellen Preisanstieg der Eintrittspreise, das andere bezieht sich auf die sogenannten Topspielzuschläge.
Wir sind der Meinung, dass es jetzt an der Zeit ist, etwas gegen diese Probleme zu tun. Und wir sind der Meinung, dass wir nur ZUSAMMEN etwas erreichen können. Dafür wollen wir einmal mit der Initiative „Kein Zwanni für nen Steher!“ zusammenarbeiten, da man nur etwas erreichen kann, wenn die Fans mit einer Stimme sprechen. Außerdem wollen wir bei diesem Thema möglichst viele Bayernfans einbinden, denn dieses Thema geht uns alle an. Wenn Ihr Euch einbringen wollt, sprecht uns im Stadion an oder schreibt uns eine E-Mail an profans-muenchen@gmx.de, informiert Euch über die Thematik z.B. auf der Seite www.kein-zwanni.de und redet mit Freunden und Bekannten darüber. Auf der Seite könnt Ihr Euch mit Eurem Fanclub/Eurer Fangruppe übrigens auch als Unterstützer der Aktion eintragen lassen. Schreibt uns einfach eine E-Mail. Die Devise lautet Öffentlichkeit schaffen und damit ein Problembewusstsein wecken. Der Fußball hat eine gesellschaftliche Verantwortung und dieser muss er gerecht werden!

FUSSBALL MUSS BEZAHLBAR SEIN!

KEIN ZWANNI FÜR NEN STEHER! AUCH BEI UNS!

Profans München

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