Interview mit Faszination Fankurve

Nachdem der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große-Lefert, in der Öffentlichkeit Kritik an unserer Pressemitteilung vom 24. Juli 2014 geäußert und auch die Intention des Empfehlungsschreibens zur Freigabe von Fanutensilien unserer Meinung nach komplett anders verstanden hat, haben wir uns als ProFans nun ebenfalls öffentlich geäußert. Dieses Mal nicht in Form einer PM, sondern mit einem Interview auf faszination-fankurve.de.

„Das Empfehlungsschreiben stark diskreditiert“

Die Fanorganisation ProFans ist enttäuscht, dass der Sicherheits-Beauftragte des DFB, Hendrik Große-Lefert, das Empfehlungsschreiben des DFB anders interpretiert als die Fanvertreter. ProFans denkt nach der Enttäuschung über ein Ende des Dialogs mit dem DFB nach.

Faszination Fankurve: Der DFB hat in der letzten Woche ein Papier an die Vereine verschickt, das die Freigabe verschiedener Fanutensilien empfiehlt. Wart Ihr als ProFans an der Entstehung dieses Papiers beteiligt?
ProFans: Als eine von mehreren bundesweiten Fanorganisationen sind wir in der AG Fanbelange/Fanarbeit des DFB vertreten. Dort werden die unterschiedlichsten Themen rund um die Belange der Fußballfans behandelt. Nach vielen restriktiven Maßnahmen in den vergangenen Jahren, sahen wir als AG die Notwendigkeit, den Fans mehr Sicherheit in der Mitnahme von Fanutensilien zu geben. Das Schreiben sollte ein deutliches Zeichen an die Fans sein, dass sich die AG Fanbelange/Fanarbeit für eine uneingeschränkte Verwendung von Dingen wie beispielsweise Fahnen, Doppelhalter und Trommeln im Stadion ausspricht.
Dafür entwickelten wir mit den anderen Fanorganisationen über ein gutes Jahr lang ein Empfehlungsschreiben samt Glossar, in dem neben der empfohlenen Freigabe auch eine Erklärung sämtlicher fantypischer Materialien zu finden ist, die für uns zu einer lebendigen Fankultur gehören und nicht beschränkt werden sollten.

Faszination Fankurve: Welche Erwartungen waren bei der Ausarbeitung an dieses Papier geknüpft?
ProFans: Die Erwartungen waren enorm hoch! Dem langjährigen Theater um Fanutensilien-Verbote, teilweise als Erziehungsmaßnahmen im Sinne einer pauschalen Sippenhaft gedacht, sollte endlich ein Ende gemacht werden. Alle Anwesenden waren sich einig, dass das Verbot von Fanutensilien in den Stadien nie dafür sorgen würde, dass es nicht mehr zu Auseinandersetzungen beispielsweise an Rastplätzen kommen wird. Ebenso war auch den Verbänden klar, dass Pyrotechnik nicht aus den Kurven verschwindet, wenn Megaphone verboten werden. Fanutensilien müssen einfach ein ebenso hohes Gut wie Stehplätze sein. Einschränkungen und Verbote von Fanutensilien sind für uns als ProFans ganz grundsätzlich nicht hinnehmbar.

Faszination Fankurve: Gab es auch kritische Stimmen bei der Erarbeitung des Papiers?
ProFans: Unsere Euphorie wurde von Seiten des DFB schnell etwas gebremst, da oftmals auch kommunale Richtlinien die Vereine beim Thema Fanutensilien beschränken. Selbstverständlich ist dies in unseren Augen oftmals nur ein Vorwand, um die Schuld der Politik zuzuschieben. Jedoch waren sich Fanvertreter und Verbände einig, dieses Schreiben neben den Vereinen auch politischen Entscheidungsträgern zukommen zu lassen, um so auf eine bundeseinheitliche Regelung hinzuwirken. Dieses Ziel wurde auch von der DFB-Kommission „Prävention und Sicherheit“ festgehalten.

Faszination Fankurve: Kurz vor dem Saisonstart der 3.Liga ging das Schreiben an die Vereine. Ein großer Erfolg?
ProFans: Ja und nein. Auf der einen Seite haben wir es geschafft, dass sich die AG Fanbelange erstmals öffentlich äußert und gegen die Beschränkung von Fanutensilien vorgeht. Auf der anderen Seite waren wir enttäuscht, dass der DFB erst nach mehrfachen Aufforderungen unserem Wunsch nach einer Versendung des Schreibens vor der Saison 2014/2015 nachkam. Deutlich zu spät für die früher startende 3. Liga, in der es bereits enorme Materialeinschränkungen gibt.

Faszination Fankurve: Der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große-Lefert, hingegen sprach laut einem Westline-Bericht davon, dass das Papier vorschnell in die aktuelle Diskussion eingebracht wurde und damit die Idee der Empfehlung “verfälscht” worden sei. Wie steht ihr zu diesen Aussagen?
ProFans: Wir sind fassungslos. Dass Herr Große-Lefert die Intention dieser Empfehlung minimierte und zugleich anmerkte, dass es immer Gründe gäbe, Material nicht freizugeben, widerspricht den Zielen, die wir uns mit diesem Empfehlungsschreiben gesetzt haben und die der Forderung der AG Fanbelange/Fanarbeit entsprachen. Scheinbar haben die Fanvertreter und Herr Große-Lefert die Absichten dieses Schreibens komplett unterschiedlich aufgefasst. Leider war Herr Große-Lefert bei der Entstehung persönlich nicht dabei.
Nun haben wir viel Energie, Zeit und Hoffnungen in eine Empfehlung investiert, mit der sich der offizielle Unterzeichner scheinbar doch nicht wirklich identifiziert.
Wenn das Schreiben nicht in die aktuellen Diskussionen in Münster und Wuppertal eingebracht würde, wozu wäre es dann überhaupt noch nützlich?!

Faszination Fankurve: Klingt stark nach Diskussionsbedarf. Wie geht es jetzt weiter?
ProFans: Den gibt es allerdings! Die Fangruppen, die wir vertreten, sind zu Recht schwer enttäuscht. Nach vielen Jahren sicherlich wichtiger Gespräche mit dem DFB, gab es nun erstmals ein vorzeigbares Ergebnis. Wenn der DFB die generelle Freigabe aller gängigen Fanutensilien empfiehlt, bringt das die Vereine in Zugzwang. Dort wo es noch besondere lokale Verordnungen gibt, könnten Fans und Vereine auf der Grundlage des Schreibens mit der Politik das Gespräch suchen. Mit Rückendeckung des DFB sind solche Gespräche sicher auch nicht aussichtslos. Nun ist das Empfehlungsschreiben jedoch stark diskreditiert worden und hat aus unserer Sicht durch die öffentlichen Äußerungen des DFB an Wert verloren. In naher Zukunft steht wieder ein Treffen der AG an. Dort wird das Papier auf jeden Fall noch einmal ein Thema sein. Es wird so natürlich immer schwerer Gründe zu finden, um weiter mit den Verbänden im Dialog zu bleiben, wenn eigentlich gute Ansätze so torpediert werden.
Wir hoffen, dass die Vereine das Empfehlungsschreiben ernst nehmen und endlich erkennen, dass Material-Verbote erstens kein Lösungsmittel für Probleme sind und zweitens Fanutensilien uneingeschränkt zu einer lebendigen Fankultur in den Stadien gehören. (Faszination Fankurve, 31.07.2014)

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