Flyer Demo Augsburg

Im folgenden findet Ihr den Flyer von der Demo in Augsburg.

Fotos und ein Video von der Demo sind unter www.suedkurve-muenchen.org zu finden.

FÜR DEN ERHALT DER FANKULTURGEMEINSAME DEMONSTRATION VON FCA- UND BAYERNFANS
AM 08. DEZEMBER 2012 IN AUGSBURG
11 UHR HBF AUGSBURG

FCA- und Bayern-Fans demonstrieren gemeinsam für den Erhalt der Fankultur. Die „sogenannten Fans“, wie wir in den Medien gerne genannt werden, sind also in der Lage, ihre berechtigten Interessen friedlich zu artikulieren. Wir wehren uns dagegen, wie Fans in der Öffentlichkeit dargestellt werden und wie die unter Druck stehenden Verbände mit dem Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ den Fußball verändern wollen. Fankultur ist ein wichtiger Teil des Fußballs.

Wir fordern eine sachliche und ausgewogene Berichterstattung und einen fairen Umgang mit unseren Anliegen.

Die Existenz von Fankultur wird derzeit massiv bedroht. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran haben einige Medien. Gerade im letzten halben Jahr wurde die Situation in den Stadien auf eine unsachliche und hysterische Art und Weise dargestellt. Einzelne Vorfälle wurden massiv dramatisiert und dadurch in der Öffentlichkeit das Meinungsbild geschaffen, der Fußball habe ein wachsendes Gewaltproblem. Höhepunkt dieser Kampagne war eine Reihe von Polit-Talkshows, die sich in unsäglicher Weise und vollkommener Ignoranz dem Thema annahmen und von den „Taliban der Fans“ (Maischberger, 22.05.12) schwadronierten. Es gibt Probleme in den Stadien. Eine populistische, undifferenzierte und sensationsgierige Berichterstattung stellt aber keine Lösung dafür dar.

Leider haben einige Politiker diesen Ball angesichts des anstehenden Wahlkampfes dankbar aufgenommen und begonnen ihrerseits Druck auf die Institutionen des Fußballs aufzubauen. Eine „harte Hand“ gegenüber den Fans, die ja schließlich keinerlei gesellschaftliche Lobby besitzen, macht sich eben gut, wenn man selber nicht allzu viel vorzuweisen hat. Da trifft es sich gut, dass das Thema „Fan-Gewalt“ gerade so sehr im öffentlichen Fokus steht.

Keine seriöse Statistik belegt den herbeigeredeten Anstieg der Gewalt in den Stadien.

Die „Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze“ (ZIS) der Polizei veröffentlicht jährlich einen Bericht, in dem vor allem anhand von Verletztenstatistiken ein Anstieg der Gewalt-Problematik belegt werden soll. Tatsächlich stagnieren die Verletztenzahlen auf niedrigem Niveau. Vergleicht man den Anteil von 0,06 % Verletzten an den Besucherzahlen mit denen von anderen Großveranstaltungen wie dem Oktoberfest, muss man die aus den Daten gezogenen Schlussfolgerungen in Frage stellen. Problematisch ist auch, dass in der Statistik sämtliche Verletzungen erfasst werden, die sich im Kontext der Fußballspiele zutragen. Wenn aber bei Großereignissen statistisch gesehen nun mal auftretende Magenverstimmungen, Kreislauf-Probleme oder sonstige Verletzungen herangezogen werden, um gestiegene Gewaltbereitschaft zu beweisen, ist das schlichtweg unseriös. Das beklagen nicht nur wir Fans (http://www.12doppelpunkt12.de/_388/stellungnahme-zum-zis-bericht/), sondern auch die Arbeitsgemeinschaft der Fananwälte (http://www.fananwaelte.de/), die sozialpädagogischen Fanprojekte und allerlei wissenschaftliche Experten.

Über 67.000 Stadionbesucher (Stand 04.12.12) haben sich in der Online-Petition „Ich fühl mich sicher“ (http://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/) eingetragen und damit ein auch ein klares Statement bezüglich einer gefühlten Bedrohungslage abgegeben.

Das DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ ist ein Fehlgriff. Wir brauchen einen anderen Ansatz.

Das Papier der DFL ist eine Auflistung an repressiven Möglichkeiten, die zum Teil heute schon möglich sind und praktiziert werden. Es beschreibt Praktiken, unter denen viele Fans Woche für Woche leiden müssen. Die mögliche Abschaffung der Stehplätze, ein Verbot von Gästefans, Einschränkungen von Fanutensilien wie Trommeln und Fahnen, Zensur von Fanmedien, kollektiver Entzug von Eintrittskarten für ganze Fangruppen und entwürdigende Ganz-Körper-Kontrollen sind nur einige Beispiele daraus. Wir befürchten, dass diese Maßnahmen durch das Papier eine noch größere Legitimation erhalten und wir noch öfter mit ihnen konfrontiert werden.

Die mittlerweile dritte Fassung des Konzepts ist in den meisten kritisierten Punkten entschärft worden. Das bedeutet aber lediglich, dass viele Formulierungen inzwischen so schwammig sind, dass sie Interpretationsspielraum in jegliche Richtung zulassen. Ausdrücklich kritisieren wollen wir an dieser Stelle eine in dem Papier angedachte Neuregelung bezüglich der Möglichkeit Gäste-Kontingente zu beschränken. Danach soll es zukünftig allein im Ermessen der Heimmannschaft sein, Spiele als „Risiko-Spiele“ zu deklarieren und dann nach eigenem Ermessen die Anzahl der an die Gäste-Fans abzugebenden Eintrittskarten zu reduzieren.

Wir lehnen das Papier ab und fordern, dass die DFL-Mitglieder dies am 12. Dezember ebenfalls tun.

Wegen dem DFL-Papier sind in den letzten Wochen allerdings auch auf lokaler Ebene bei vielen Vereinen Fans und Offizielle in einen ehrlichen Dialog über die Situation des Fußballs gekommen. Dieser Dialog muss fortgeführt und intensiviert werden, ihm muss eine angemessene Zeit eingeräumt werden und die Verbände sollten sich nicht mehr so sehr von medialer Panikmache und dem Aktionismus einiger Politiker treiben lassen.

Der Fußball braucht Fankultur. Für den Erhalt der Fankultur!

ProFans Augsburg und ProFans München
http://www.profans.de/
http://www.12doppelpunkt12.de/
http://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/

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