Fazit der Veranstaltung mit Amnesty International

Mehr Verantwortung bei der Polizei
Informationsveranstaltung Münchner Fußballfans
in Zusammenarbeit mit Amnesty International
für Vertreter der Presse und Interessierte
am 25.01.2011

Die inzwischen schon oft behandelte Kampagne „Mehr Verantwortung bei der Polizei“ (www.amnesty-polizei.de) der Menschenrechtsgruppe Amnesty International brauchen wir wohl kein weiteres Mal detailliert vorstellen. Mit einigen Tagen Abstand wollen wir an dieser Stelle ein Fazit zu unserer gemeinsamen Veranstaltung mit Amnesty ziehen und das fällt überwiegend positiv aus.

Positiv, weil wir eine sachlich und argumentativ sehr gute Veranstaltung erlebt haben, die gezeigt hat, dass die von Amnesty International aufgestellten und von uns Fußballfans aufgegriffenen Forderungen nach einer Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte (u.a.) keineswegs Polemik gesellschaftlicher „Randgruppen“ sind, sondern so in der „Mitte der Gesellschaft“, repräsentiert durch Vertreter der Parteien SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, geteilt werden. Eben jene entlarvten die immer wieder vorgebrachte „Kritik“ an einer solchen Kennzeichnungspflicht als fadenscheinig.

Positiv, weil wir mit unserer Zusammenarbeit zwischen Fans von „den Blauen“, „den Roten“ und aus Fürth die Bedeutung aufgezeigt haben, die dieses Thema für uns Fußballfans als Ganzes hat. Wer sich jetzt über die Zusammenarbeit mokiert oder gar über sie überrascht ist, der hat wohl bisher die Relevanz dieses Problems verkannt. Die Ausführungen über die Übergriffe gegen 60er Fans beim Amateure-Derby 2007 und gegen Fürther Fans beim Pokalspiel gegen den FC Bayern Anfang 2010 haben sie ein weiteres Mal eindrücklich unterstrichen.
Nur „überwiegend positiv“, weil an diesem Dienstag Morgen viele Plätze vor der Bühne leer blieben. Es waren zwar Vertreter aller relevanten Münchner Medien vor Ort (SZ, Merkur (www.merkur-online.de/sport/tsv-1860/loewen-bayernfansvereinen-sich-kampf-gegen-polizei-meta-1860-1098807.html), TZ (www.tz-online.de/sport/fc-bayern/loewen-bayernfansvereinen-sich-kampf-gegen-polizei-meta-fcb-1098808.html) und BR berichteten) – die hoffentlich den ein oder anderen Eindruck mitgenommen haben und nicht nur jetzt einmal einen etwa kritischeren Artikel schreiben, sondern im Kopf behalten, dass es IMMER neben der Mitteilung der Polizei auch eine zweite Sicht auf die Dinge gibt – wir hätten uns aber trotzdem mehr Andrang im Orangehouse gewünscht. Aber auch das geringe Interesse an der Veranstaltung spricht ein Stück weit für sich.

Fotos der Veranstaltung findet Ihr übrigens hier: www.schickeria-muenchen.org

Um an dieser Stelle an den von regen Diskussionen bestimmten Charakter der Veranstaltung anzuknüpfen, überlassen wir im Folgenden den Diskussionsteilnehmern auch in der Nachbetrachtung das Wort.

Alexander Bosch von Amnesty International:
„Es war eine sehr interessante Veranstaltung, in welcher durch die Erzählungen der Fans und deren Anwalt noch einmal deutlich wurde, wieso Amnesty International eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte und einen Unabhängigen Untersuchungsmechanismus fordert. Außerdem hat die Veranstaltung gezeigt, wie wichtig das Thema ist, da selbst Fans von Bayern München und des TSV 1860 München eine gemeinsame Veranstaltung ausgerichtet haben. Auch die Vertreter der Parteien SPD, FDP und Bündnis 90/die Grünen wissen um die Wichtig- und Richtigkeit dieser Forderungen und haben sich als Unterstützer der Forderungen der Fans und Amnesty Internationals geoutet.“

Marco Noli, Anwalt aus München:
Dieses System unidentifizierbarer Sondereinheiten mit eigener Videohoheit und fehlender Unabhängigkeit der Ermittler führt dazu, dass es ganz schwer ist einzelne Beamte bei Übergriffen verantwortlich zu machen. Dies ist für einen Rechtsstaat beschämend und wird von Amnesty International zu Recht kritisiert, weil es gegen die Grundsätze der Europäischen Menschenrechtskonvention verstößt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fordert, dass Ermittlungen effektiv, umfassend und unabhängig erfolgen müssen. Dies würde zumindest erfordern, dass die Ermittlungen bei Vorwürfen gegen Polizeibeamten zumindest nicht von Beamten desselben Polizeipräsidiums und der örtlich zuständigen Staatsanwaltschaft geführt werden. Zudem würde eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte das Vertrauen in die Polizei stärken und die Ermittlungen erleichtern. Es gibt kein vernünftiges Argument, das dagegen spricht. Der deutsche Anwaltverein fordert daher eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte: „Die Experten sind sich einig: Kennzeichnungspflicht ist gut für die Polizei
Brandenburg will die generelle Kennzeichnungspflicht für uniformierte Polizeibeamte einführen. In einer Anhörung im Innenausschuss begrüßten die Experten einen Gesetzesentwurf der CDU-Landtagsfraktion (Drs. 5/1442) (www.parldok.brandenburg.de/parladoku/w5/drs/ab_1400/1442.pdf). ‘Die Einführung einer Kennzeichnungspflicht garantiert die individuelle Zurechenbarkeit staatlichen Handelns und trägt damit zur nachhaltigen Vertrauensbildung zwischen Bürgern und Polizei bei’, sagte DAV-Expertin Rechtsanwältin Dr. Heide Sandkuhl, Vorsitzende des Ausschusses für Gefahrenabwehrrecht des DAV. Staatliches Handeln sei nur so gut, wie es auch überwacht werden kann. Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch nahm den Gewerkschaftsvertreten ihre Bedenken: ‘Retourkutschen’ gegen Beamte seien mit Fakten nie belegt worden. Glietsch hatte die Kennzeichnungspflicht per Dienstanweisung zu Beginn des Jahres trotz Widerstands der Polizeigewerkschaften und der Hauptstadt-CDU für die Berliner Polizei angeordnet. ‘Die individuelle Kennzeichnung ist eine selbstverständliche Geste der Bürgerfreundlichkeit’, so Glietsch. Die gesetzliche Einführung in Brandenburg gilt als wahrscheinlich: Schon im Koalitionsvertrag sprachen sich die Regierungsfraktionen aus SPD und Die Linke für das Vorhaben aus. Damit könnte Brandenburg eine Vorreiterrolle in Deutschland übernehmen. Der DAV setzt sich seit 2010 für eine generelle Kennzeichnungspflicht ein (vgl. DAV-Stellungnahme Nr. 38/2010) (http://anwaltverein.de/downloads/stellungnahmen/SN-10/SN-38-2010.pdf)“

Florian Ritter, Mitglied der SPD-Landtagsfraktion:
„Eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten ist dringend notwendig. Das haben die von den Fans beschriebenen Vorfälle gezeigt. Es kann und darf nicht sein, dass wir bei Fällen von Körperverletzung oder Freiheitsberaubung durch Beamte die Täter nicht identifizieren können. Es kann und darf auch nicht sein, dass sowohl die CSU als auch das Innenministerium diese Vertuschungspraxis deckt. Wir könnten diese Kennzeichnungspflicht schon jetzt einführen, wenn der FDP der Schutz der Grundrechte wichtiger wäre als Koalitionstreue.
Eine Kennzeichnungspflicht ist auch im Interesse von Polizei und Politik. Vertrauen zwischen Bürgern und Polizei kann auf Dauer nur sichergestellt werden, wenn solche Übergriffe auch geahndet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Rechtsanwalt Rolf Merk, Referent für Recht und Grundsatzfragen der FDP-Landtagsfraktion:
„Die Veranstaltung war ein wichtiger Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit, da die negativen Erfahrungen der Fußballfans mit der Polizei meines Erachtens bisher viel zu wenig Resonanz und Empörung hervorgerufen haben. In beeindruckender Weise wurde durch die Schilderung von Betroffenen unter Beweis gestellt, dass jeder Fußballfan allein dadurch Opfer eines polizeilichen Übergriffs werden kann, wenn er sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhält. Ist allein dies schon eines Rechtsstaates unwürdig, so wird dem Ganzen die Krone aufgesetzt, wenn die Aufklärung einer Körperverletzung durch einen Polizeibeamten dann daran scheitert, dass der Täter nicht zu identifizieren ist. Darüber sollten all die nachdenken, die sich vorschnell und ohne jeden sachlichen Grund gegen eine Kennzeichnungspflicht von Beamten aussprechen. Oder sind Fußballfans für manche einfach nicht schützenswert?“

Nikolaus Hoenning, Persönlicher Mitarbeiter von Susanna Tausendfreund, MdL Bündnis 90/Die Grünen:
„Die Diskussion am 25.01. hat dramatisch deutlich gemacht, wie notwendig eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte für einen vertrauensvollen Umgang zwischen Bürgerinnen und Bürgern mit der Polizei ist. Wer eine Kennzeichnungspflicht verhindert, der untergräbt den gesellschaftlichen Konsens in das Gewaltmonopol des Staates, das der Polizei auch eine besondere Verantwortung auferlegt.“

Günter Krause, Projektleiter des Fanprojekts München
„Da es eine Informationsveranstaltung für die Presse war, waren natürlich nur Personen auf dem Podium, welche der Forderung zur Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte positiv gegenüber stehen. Interessant wäre es gewesen, wenn ein/e VertreterIn der CSU – Landtagsfraktion anwesend gewesen wäre, aber dann wäre es natürlich eine Podiumsdiskussion geworden. Vielleicht sollte man dies mal ins Auge fassen, um die politisch Verantwortlichen zu klaren Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit diesbezüglich zu zwingen.
Die Veranstaltung war optimal vorbereitet und organisiert und vom Moderator sehr gut geleitet. Bei der zeitlichen Terminierung hat man natürlich das Problem, dass man die PressevertreterInnen hauptsächlich nur zur Tageszeit erreicht und die interessierte Öffentlichkeit meistens nur am Abend Zeit hat.
Die Kennzeichnungspflicht für PolizeibeamteInnen ist/sollte ein allgemeines öffentliches Thema sein, da in einem demokratischen Staat dies eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Dass PolizistenInnen und ihre gewerkschaftliche Interessensvertretung in der Mehrheit dies ablehnen kann man vielleicht ja noch nachvollziehen, aber die demokratischen Parteien,als gewählte Volksvertreter müssten dazu klar Stellung beziehen und sich nicht immer auf eine gesamt deutsche Entscheidung heraus reden. Dies noch dazu, da die Polizei ja Ländersache ist. Wären die Landtage dafür, würde sicher auch die Bundespolizei nachziehen. Im Bay. Landtag hätten die Oppositionsparteien ja mit der FDP zusammen eine Mehrheit, um dies umzusetzten.
Super finde ich, dass Fanvertreter aus Fürth und den beiden Münchner Profivereinen bei diesem Thema gemeinsam an einem Strang ziehen. Sehr positv war auch, dass sich hierbei junge Fans in den Fokus der Öffentlichkeit stellen, um ihre berechtigten Forderungen zu artikulieren und einzufordern.
Die Diskussion selbst war lebendig und nach meinen dafür halten sehr informativ, wobei vielleicht zum Schluss die Politik etwas zu sehr Gewicht bekam und es leider zu wenig Nachfragen aus dem ‘Publikum’ gab.
Zum Thema Kennzeichnungspflicht für PolizeibeamteInnen muss ich noch darauf hinweisen, dass auch die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte diese Forderung erhebt und am 12. 01. 11 beim Kongress ‘Feindbilder ins Abseits’ in Frankfurt veröffentlicht hat. Dieser Kongress wurde gemeinsam durchgeführt vom DFB, DFL und der Gewerkschaft der Polizei (GdP).“

Herbert Schröger von „Löwenfans gegen Rechts“:
„Das große Interesse der anwesenden Medienvertreter an der Thematik und die weitestgehende Einigkeit aller Gesprächsteilnehmer hinsichtlich der unbedingten Notwendigkeit der Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte war aus unserer Sicht sehr erfreulich. Sicherlich dem knappen zeitlichen Rahmen geschuldet, kam leider die ebenso dringend erforderliche Diskussion um eine unabhängige Kontrollbebehörde für Vergehen im Amt nach englischem Vorbild etwas zu kurz, die in der Zukunft verhindern könnte, dass in solchen Fällen die Polizei quasi gegen sich selbst ermitteln muss. De facto aber geht erst mal alles munter weiter wie gehabt – seit dem vergangenen Wochenende beschweren sich Fans aus Regensburg massiv über anlasslose und ungerechtfertigte Prügelattacken des in Burghausen eingesetzten USK unter anderem auch gegen Kinder und ältere Personen. Anfang der Woche dann wurden die Ermittlungen aufgrund der auch von der Staatsanwaltschaft unbestrittenen polizeilichen Ausschreitungen beim Amateurderby 2007 gegen unbeteiligte Fans, darunter Frauen und Kinder, wegen mangelnder Identifizierbarkeit der Täter von der Generalstaatsanwaltschaft endgültig eingestellt.

Wir werden weiter kämpfen bis zur letzten Instanz und bitten alle anderen betroffenen Fangruppen darum, es uns gleich zu tun!“

Jörg Strauß, Vertreter der betroffenen Fans der SpVgg. Fürth:
„Die Einladung zur Informationsveranstaltung in München über die Kampagne von Amnesty International für mehr Verantwortung bei der Polizei nahmen wir in Fürth trotz zeitlicher Probleme gerne an, da diese Thematik innerhalb unserer Szene nicht zuletzt wegen der Vorfälle um das Pokalspiel der Spielvereinigung beim FC Bayern einen hohen Stellenwert genießt.
Erfreulicherweise waren Pressevertreter aller relevanten Münchner Zeitungen vor Ort, die den Ausführungen der bunt besetzten Diskussionsrunde folgten. Wir erhoffen uns, dass durch diese Veranstaltung zumindest die vertretenen Journalisten sensibilisiert werden konnten und somit ein differenzierteres Bild in der Presselandschaft erreicht werden kann. Die öffentlichkeitswirksame Darstellung von Missständen und zugleich der aus ihnen entspringenden Forderungen ist unabdingbar, um in der heutigen Mediendemokratie Aufmerksamkeit zu erlangen. Es gilt nun kontinuierlich am Ball zu bleiben und weitere Möglichkeiten auszuloten, um den Druck auf die Politik zu erhöhen, der gerade in Bayern nötig sein wird, um wichtige Fortschritte zu erreichen.
Abschließend möchten wir uns bei den Organisatoren Pro Fans München und Löwenfans gegen Rechts bedanken, welche die Veranstaltung ermöglicht haben.“

Simon Müller von Profans München:
„Die Veranstaltung war aus unserer Sicht sehr erfolgreich. Die beschriebenen Fälle haben eindrucksvoll gezeigt, dass eine Kennzeichnung von Polizeibeamten auch in geschlossenen Einsätzen wie eben Fußballspielen und die Einrichtung unabhängiger Untersuchungsstellen bitter nötig sind, um bei Übergriffe von Polizeibeamten gegen Fans zumindest eine Aufklärung zu erleichtern. Dass es sich bei den beiden vorgestellten Fällen keineswegs nur um Einzelfälle gehandelt hat, hat nicht nur die Recherche von weiteren Vorfällen gezeigt, sondern deckt sich auch mit unseren Erfahrungen, die wir Spieltag für Spieltag als Fans in den Kurven machen.“

Werdet aktiv, informiert Euch, redet mit, unterstützt die Kampagne!
„Löwenfans gegen rechts“ und Profans München

In der Vorbereitung haben wir einige weitere Fälle von Polizeiübergriffen auf Fußballfans recherchiert, die wir Euch nicht vorenthalten wollen…

FC AUGSBURG – 1. FC KAISERSLAUTERN (29.04.07)

www.der-betze-brennt.de/aktuell/pressespiegel.php?artikel=1896
www.stadionwelt-fans.de/index.php?head=FCK-verurteilt-Polizeieinsatz-beim-Spiel-in-Augsburg&folder=sites&site=news_detail&news_id=827
www.youtube.com/watch?v=IsvL8Ol955c

TSV AMATEURE – BAYERN AMATEURE (09.12.07)

www.sueddeutsche.de/muenchen/uebergriffe-bei-fussballspiel-amnesty-kritisiert-polizeigewalt-1.1926
www.sueddeutsche.de/muenchen/ermittlungsverfahren-gegen-usk-beamte-unter-pruegelknaben-1.538253
www.sueddeutsche.de/muenchen/video-von-polizeieinsatz-verschwunden-vermisste-beweise-1.1016074

BAYERN AMATEURE – DYNAMO DRESDEN (16.08.09)

Interview mit zwei Betroffenen der Übergriffe auf Dresdner Fans nach dem Spiel FC Bayern Amateure – Dynamo Dresden am 16.08.2009 (Bilder zu den Vorfällen findet Ihr unter http://ultras-dynamo.de/ud2010/gallery/category/52)

Profans München: Was ist genau nach dem Spiel passiert und wer war betroffen?

Betroffener 1: Aus unserer Sicht wollte man die Dresdner Fans nach dem Spiel in einem aus mobilen Zäunen bestehenden Kessel vor dem Gästeeingang sammeln und dann kontrolliert oder was auch immer abmarschieren lassen. Der Bereich war aber für die ich glaub 1800 Fans viel zu klein. Deswegen versuchte man die feste Stadionumzäunung wieder zu schließen. Dabei kam es zu Rangeleien und Pfeffersprayeinsatz. Im weiteren Verlauf stürmte das USK in den Kessel und trieb die Massen auseinander, die dann teilweise, vielleicht sogar in Panik, die mobilen Zäune überwinden wollten. Weiterhin wurden auch die Fans innerhalb des Stadionumlaufs durch das USK mit Pfefferspray durch den massiven Eisenzaun besprüht, was aus unserer Sicht völlig unnötig war. Dabei sind dann auch mehrere unbeteiligte Fans, darunter auch Kinder, verletzt wurden.

Die Staatsanwaltschaft München schreibt dazu: Die Einsatzkräfte „hatten u.a. den Auftrag, die Abwanderung der verschiedenen Fangruppen – respektive des Gastvereins – zu überwachen und Konflikte zu vermeiden. (…) Im Zuge der Abwanderung kam es jedoch (auch aufgrund der eingerichteten Absperrungen) wiederholt zu Stauungen und Verzögerungen, wodurch sich zunächst eine verbal-aggressive Stimmung entwickelte. Diese steigerte sich schließlich in beleidigende Äußerungen gegenüber den Polizeibeamten… (…) Hierauf erfolgten vereinzelt Einsätze des mitgeführten dienstlichen Pfeffersprays. Teilkräfte … des USK München entschlossen sich zur Vermeidung weiterer Gewalteskalationen, die Absperrung zu überspringen um den Versuch zu unternehmen, die andrängende Menge zu lockern bzw. umzuleiten.”
Der Vorfall mit dem Pfefferspray durch den Zaun “konnte nach den durchgeführten Ermittlungen den Beschuldigten … und … zugerechnet werden. Diese gaben selbst an, …. das Reizstoffgerät eingesetzt zu haben.” “Aus ihrer Sicht habe … die konkrete Gefahr bestanden, dass der Zaun ausgerissen und es im Anschluß zu weiteren Aggressionshandlungen hätte kommen können.”
Für die Beamten “lag keine Situation vor, bei der sie typischerweise mit der Anwesenheit von Kindern inmitten von randalierenden Fangruppen rechnen mussten.“

Profans München: Inwieweit hattet Ihr den Eindruck, dass das Verhalten und die Grundeinstellung der eingesetzten Beamten für die Eskalation der Situation verantwortlich war?

Betroffener 1: Erstens erfolgten keine Ansagen, die das undurchsichtige Vorhaben hätten erklären können!
Zweitens ist das Vorhaben auch aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar!
Drittens, wie kann man „zur Vermeidung weiterer Gewalteskalationen“ in eine eingekesselte Menge stürmen?
Viertens, warum muss ich ein Notwehrmittel gegen Menschen einsetzen, die sich hinter einem massiven Stahlzaun befinden?

Betroffener 2: Schon allein die schiere Masse und der Ruf unserer Fanszene vermittelte mir den Eindruck, dass die Polizei, ob nun USK oder andere Einheiten gleich von vornherein eine harte Schiene fahren und klar sagen wollte, wer die Regeln vorgibt, bestimmt und auf ihre Einhaltung achtet – Vorkontrollen, enger Kessel, geregelter Ablauf etc. Allerdings bin ich mir auch nie ganz sicher, ob das in München nicht allgemein bei jedweder Fanszene, egal wie klein und „ungefährlich“ sie auch sein mag, der Fall ist.

Profans München: Waren nur USK-Beamte oder auch Bereitschaftspolizisten beteiligt?

Betroffener 1: Laut Staatsanwaltschaft München:
– Vertreter des USK-Würzburg (III. Bereitschaftspolizeiabteilung)
– Einheiten der 15. Bereitschaftspolizeihundertschaft USK-Nürnberg
– Teile der USK-Einheit des Polizeipräsidiums München (PI-Ergänzungsdienste 3, I. Zug)

Anmerkung: Die grünen Einsatzkräfte waren relativ zurückhaltend, aggressiv waren nur die “Schwarzen”. Auffallend ist auch, dass sämtliche Vorwürfe im Verfahren dem USK München zuzuschreiben sind….

Profans München: Könntet Ihr als Betroffene Euch vorstellen dass eine (gerichtliche) Aufarbeitung der Ereignisse eine Verantwortung der Polizei zu Tage bringen würde, oder habt Ihr kein Vertrauen in die Instanzen?

Betroffener 1: Die Staatsanwaltschaft hat ermittelt, aus ihrer Sicht den Polizeieinsatz aber als nicht strafbar eingeschätzt und das Verfahren eingestellt. Beweise, Zeugenaussagen und auch Videomaterial müsste ausreichend vorhanden sein. Wie ein Gericht dann entscheiden würde, bleibt offen…
Gegen den Bescheid wurden Rechtsmittel eingelegt, der Ausgang des Verfahrens ist demnach noch nicht bekannt. Weiterhin besteht noch die Möglichkeit einer Zivilklage.

Betroffener 2: Ich persönlich habe kein Vertrauen in eine eigenständige, gerichtliche Aufarbeitung der Ereignisse im Freistaat Bayern. Wenn dann nur flankiert von einer starken Begleitung durch Medien, spezifische NGOs und auch der politischen Oppositionsparteien im Landtag bzw. der Stadtregierung. Da muss ich immer an den Fall dieses einen Polen denken, der an der Isar “illegal” gegrillt hat…

Profans München: Würde eine Kennzeichnung der Beamten für die konkreten Situation Eurer Meinung nach was bringen? Denkt Ihr eine Aufklärung wäre vielleicht besser verlaufen, wenn es eine neutrale Untersuchungsstelle geben würde?

Betroffener 1: Die Ermittlungen konnten die Namen der Beschuldigten offenlegen, allerdings scheinbar nicht zweifelsfrei die Taten den einzelnen „Tätern“ zuordnen.
Eine Identifizierung der Beschuldigten wäre mit Anbringung einer Kennzeichnung sicherlich effektiver, zumal selbst auf den Polizeivideos nicht zu erkennen ist, wer sich hinter seiner Uniform versteckt!
Die Staatsanwaltschaft schreibt dazu: „Unter Gesamtschau der Ermittlungsergebnisse war das Verfahren jedoch vollumfänglich einzustellen, da der Nachweis individualisierbaren, strafrechtlich vorwerfbaren Verhaltens nicht mit der für eine Anklage erforderlichen Sicherheit geführt werden kann.“

Profans München: Danke für die Antworten.

FC BAYERN – SPVGG. FÜRTH (10.02.10)

www.greuther-fuerth.de/v3/aktuelles/news.php?chronik=0&newsnr=6367
www.kleeblatt-forum.de/viewtopic.php?f=10&t=8041&start=45
www.spvggfuerth.de/leserbrief.pdf

WEITERE INTERESSANTE HINTERGRÜNDE

www.tennessee-eisenberg.de (!!!)
www.youtube.com/watch?v=WA8GlNFCv08
www.youtube.com/watch?v=87LsXi0SiSo
www.sueddeutsche.de/muenchen/mobbing-affaere-die-boesen-spaesse-einer-sondereinheit-1.931250
www.sueddeutsche.de/muenchen/polizei-in-der-kritik-rambo-methoden-gegen-wildgriller-1.148561

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