Der „goldene Weg“?

Am vergangenen Freitag hat der FC Bayern die Informationen für das anstehende Europacup-Spiel in Basel veröffentlicht. Darin heißt es: „Sollte es im Gästeblock zum Einsatz von Pyrotechnik kommen, behält sich der FC Bayern vor, im Hinblick auf zukünftige Auswärtsspiele im Rahmen der UEFA-Champions-League entsprechende Konsequenzen zu ziehen.“ So gibt es beim FC Bayern auch Pläne in der Schublade, für das – ein Weiterkommen gegen Basel vorausgesetzt – folgende Europapokal-Auswärtsspiel auf das dem Gastverein zustehende Kartenkontingent zu verzichten und keine Karten an Bayernfans zu verkaufen. Eine solche Maßnahme des vorauseilenden Gehorsams würde die durch die UEFA-Disziplinar-Kommission möglicherweise verhängten Strafen weit übertreffen. Sie würde die vielen treuen Fans hart treffen, die ihrem Verein sogar bis in die entferntesten Städte Europas hinterher reisen. Fakt ist, dass die UEFA von ihr selbst definiertes unerwünschtes Fanverhalten mit Strafen belegt. Im Falle von Pyrotechnik sind das meist Geldbeträge, die für den FC Bayern wirtschaftlich gesehen keine Rolle spielen. Fakt ist aber auch, dass Pyrotechnik seit Jahrzehnten europaweit, ja sogar weltweit Teil von Fankultur und Fußball-Atmosphäre ist. Nicht umsonst gefällt es auch einem Uli Hoeneß bei besonderen Anlässen im Stadion in München Feuerwerk zu zünden. Pyrotechnik ist auch Teil eines „Europapokal-Feeling“, das gerade diejenigen fesselt, die jetzt von dieser Drohung betroffen sind. So ehrlich sollte jeder von uns zu sich selber sein, dass er vielleicht selber schon mal ein Bengalo in der Hand hatte oder zumindest von den beeindruckenden Bildern begeistert war.

Die jetzt ausgesprochene Drohung zielt darauf ab, den geltenden Status Quo zu brechen. Denn Pyro gehört seit Jahren und Jahrzehnten zu Europacup-Auswärtsspielen dazu. Diese Maßnahme nimmt alle Bayernfans in Geiselhaft. Sie soll die Fans spalten und bestehende Gräben vergrößern. Gräben, die sich nicht leugnen lassen, die man aber lieber alle zusammen im Sinne unseres FC Bayern schließen sollten, anstatt sie zu vergrößern.

Auf den ersten Blick scheint diese Maßnahme für die Vereinsführung des FC Bayern ein goldener Weg aus einer Situation, die sie als ärgerlich empfindet. Verzichten die verschiedensten Fans, Fanclubs und Fangruppen in Basel auf Pyrotechnik, wird die Drohung in Zukunft vor jeder Partie ausgesprochen und es gibt keine Pyrotechnik mehr bei Europapokal-Auswärtsspielen. Der FC Bayern ist der schönen neuen Welt eines sauberen Fußballs ohne „Störungen“ und „negtiven Begleiterscheinungen“ ein Stück näher. Einer neuen Welt ohne Emotionen und echter Fußball-Atmosphäre. Brennen in Basel im Gästeblock die Bengalos, dann kann die Vereinsführung mit dem Finger auf „die radikale Minderheit“ zeigen und für die folgenreiche Entscheidung verantwortlich machen, die eigentlich sie getroffen hat. Sie spaltet die Lager noch tiefer und stellt die kritischen Fans weiter in die Ecke. Auf den ersten Blick schaut das nach einer sogenannten „win-win-Situation“ für die Herren von der Säbener Straße aus.

Bei diesem Erpressungsversuch wird es aber keinen Gewinner geben, es ist kein „goldener Weg“ und nichts anderes als eine Bankrott-Erklärung der Fanarbeit des FC Bayern. Die Vereinsvertreter haben im Laufe der letzten Zeit durch ignorantes und respektloses Verhalten jeglichen konstruktiven Dialog mit den aktiven Fans abgewürgt. Der goldene Weg geht nur über Respekt und Verständnis füreinander. Er ist vielleicht mühsam und langwierig, aber er lohnt sich für diejenigen, denen der FC Bayern wirklich am Herzen liegt.

ProFans München

Dieser Beitrag wurde unter Projekte, Pyrotechnik legalisieren veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.