…Überwachung von Fussballfans

Die Überwachung von Fußballfans an Spieltagen durch uniformierte oder verdeckte Polizei-Beamte findet in einem Ausmaß statt, der Fans stigmatisiert und sie einem Generalverdacht unterwirft. Der Fußball dient offensichtlich als Testfeld neuer Maßnahmen und Taktiken, die später auch auf andere gesellschaftliche Bereiche ausgeweitet werden. Diese Maßnahmen werden durch eine in der Gesellschaft vorhandene abstrakte, aber bewusst geschürte Angst gerechtfertigt. Wie auch in der Gesellschaft gibt es eine Vielzahl weiterer, über direkte polizeiliche Kontrolle hinausgehende Maßnahmen wie Videoüberwachung in den Stadien, den Innenstädten, an Bahnhöfen und im öffentlichen Nahverkehr, einen Trend zur Erfassung von Konsumverhalten mit Kunden- und Bezahlkarten, RFID-Chips in Eintrittskarten oder der faktischen Einführung personalisierter Eintrittskarten. Ziel ist eine Verknüpfung der verschiedenen Maßnahmen und damit eine totale, allumfassende Überwachung. (weiterlesen …)

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…Veräußerung von Stadionnamen und ähnlichem


Stadionnamen sind genauso wie Vereinsnamen oder Vereinsfarben wichtig für die Identität der Vereine. Für uns Fans haben diese Merkmale eine große Bedeutung für die Identifikation mit unseren Vereinen, gerade weil viele Spieler häufig die Vereine wechseln und nicht mehr im selben Maße wie früher als “Identifikationsobjekte” geeignet sind. Gerade Stadionnamen werden hierzulande in letzter Zeit gerne im Rahmen von Sponsoren-Verträgen abgeändert. Diese Entwicklung kritisieren wir und appellieren daran, im Sprachgebrauch diese Änderungen zu ignorieren.

Erst vor kurzem haben wir beim Spiel gegen Berlin ein Spruchband für das Ruhrstadion gezeigt. Ein Bericht davon findet sich auf der Seite www.erhalt-der-fankultur.de, auf der regelmäßig über fanpolitisches Engagement in ganz Deutschland berichtet wird.

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…Spielansetzungen und Anstoßzeiten

Spielansetzungen und Anstoßzeiten und ihre fanunfreundliche Praxis sind das originäre Thema von Profans (vormals Pro15:30) und nach über 10 Jahren Engagement weiterhin ein akutes Problem. Diese werden weiterhin ausschließlich nach den Interessen der TV-Sender festgelegt, mitreisende Fans müssen an den unmöglichsten und zum Teil sehr kurzfristig festgelegten Terminen quer durch die Republik reisen.

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…50+1-Regel

Profans spricht sich vehement für den Erhalt der “50+1-Regel” in den Statuten des DFB aus. Diese Regel verhindert, dass Investoren die Kontrolle über ganze Fußballvereine in Form der Stimmmehrheit an sich reißen und sich so die Vereine noch weiter von den Fans und Mitgliedern – ihrer Basis – entfernen.

Leider hat sich in den letzten Tagen einiges bezüglich der “50+1-Regel” getan. Das ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen gab einem Antrag von Hannover 96-Präsidenten Martin Kind statt und weicht damit die “50+1-Regel” auf.

Ausführlich könnt Ihr das in einer Presseerklärung von Hannover 96 vom 30.08. nachlesen:
Hannover 96-Presseservice: 50+1: Hauptantrag stattgegeben

Hannover (ots) – Das Ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen hat dem von Hannover 96 in der mündlichen Verhandlung vom 04. Juli 2011 gestellten Hauptantrag mit Schiedsspruch vom 25.08.2011 stattgegeben.

Auf der Grundlage dieser Entscheidung erhalten die Vereine der DFL die Möglichkeit, im Rahmen einer langfristigen Kooperation mit Förderern diesen nach Ablauf von 20 Jahren die Kapital- und/oder Stimmenmehrheit an der lizenzierten Gesellschaft zu übertragen. Die für diese Ausnahme geltenden umfangreichen Auflagen und Bestimmungen der Satzung der DFL bleiben im bisherigen Umfang erhalten und sind zu beachten.

Die Gesellschafter von Hannover 96 werden ihr langfristiges Engagement für die Förderung des Fußballsports in der Region Hannover fortsetzen. Der Schiedsspruch bietet die angestrebten Perspektiven für die weitere Entwicklung von Hannover 96.

Der Geschäftsführer von Hannover 96, Martin Kind, bewertet den Schiedsspruch wie folgt:

“Wie begrüßen dieses Urteil, es bestätigt unsere Rechtsauffassung. Hannover 96 hat jetzt langfristig, auf Jahrzehnte, die Chance zu einer perspektivischen Entwicklung und verantwortungsvollen Nutzung seiner Potenziale. Wir konnten deshalb auch einer Lösung den Weg ebnen, bei der es grundsätzlich bei der bisherigen 50+1-Regelung bleibt und die es in der vom Gericht festgelegten Fassung gleichzeitig ermöglicht, dass unsere speziellen Interessen gewahrt werden sowie die berechtigten und vernünftigen Motive der 50+1-Regelung erhalten bleiben.

Dem Schiedsgericht danke ich für eine sehr umsichtige und faire Verhandlungsführung.”

Hier die Position von PROFANS zur “50+1-Regel”

Die so genannte 50+1-Regel ist in den Statuten von DFB und DFL festgeschrieben. Sie besagt, dass bei einer Ausgliederung der Profiabteilung eines Fußballvereins der Mutterverein mindestens 50 Prozent plus 1 Stimme bei der Versammlung der Anteilseigner der gegründeten Kapitalgesellschaft haben muss. Dies ist allerdings nicht auf den Kapitalanteil bezogen, hier ist es schon heute möglich, dass Investoren mehr als 50% an einer Bundesligamannschaft halten. So lautet §8 Abs. 2 der DFL-Satzung:

„Der Verein („Mutterverein“) ist an der Gesellschaft mehrheitlich beteiligt („Kapitalgesellschaft“), wenn er über 50 % der Stimmenanteile zuzüglich mindestens eines weiteren Stimmenanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügt. Bei der Kommanditgesellschaft auf Aktien muss der Mutterverein oder eine von ihm zu 100 % beherrschte Tochter die Stellung des Komplementärs haben. In diesem Fall genügt ein Stimmenanteil des Muttervereins von weniger als 50 %, wenn auf andere Weise sichergestellt ist, dass er eine vergleichbare Stellung hat wie ein an der Kapitalgesellschaft mehrheitlich beteiligter Gesellschafter. Dies setzt insbesondere voraus, dass dem Komplementär die kraft Gesetzes eingeräumte Vertretungs- und Geschäftsführungsbefugnis uneingeschränkt zusteht.“
Während diese Regelung bei der großen Mehrheit der Fans und auch der in DFB bzw. DFL organisierten Vereine unumstritten ist, möchte vor allem Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, diesen Absatz aus den Satzungen von DFB und DFL gestrichen haben. Er und weitere Kritiker versprechen sich davon einen wachsenden Kapitalstock und konkurrenzfähigere deutsche Vereine auf europäischer Ebene.

PRO FANS spricht sich ganz klar für den Verbleib der Regelung in den Satzungen von DFB und DFL aus. Auch wenn die Regelung von den „Werksvereinen“ aus Leverkusen und Wolfsburg schon unterlaufen worden ist, kann nach unserer Auffassung kein Interesse daran bestehen, weitere Retortenclubs á la Hoffenheim zu schaffen. Ebenfalls gilt es zu verhindern, dass Vereine (wie schon im Ausland geschehen) in die Hände von Finanzinvestoren geraten und diese die Farben, Werte und Traditionen mit Füßen treten. Das Beispiel RB Salzburg zeigt ganz klar, dass es einen solchen Einfluss von Investoren in Deutschland nie geben darf.

Es muss hinterfragt werden, warum ein Sponsor Gelder an einen Bundesligaverein zahlt. Als Herzensangelegenheit geht ein solches Engagement wohl kaum durch. Möglicherweise ist es so, wie Herr Kind angedeutet hat, dass ein Spekulieren mit Klubs durch diverse Regelungen (z.B. Mindestlaufzeit für ein Sponsoring 7 Jahre) verhindert werden kann. Aber kein Sponsor zahlt ohne entsprechende Gegenleistung. Fällt die 50+1 Regel, stünde den Investoren Tür und Tor offen, jegliche Gegenleistung einzufordern. Viel Platz für Werbung ist in den Stadien oder auf den Trikots der Spieler allerdings nicht mehr. PRO FANS befürchtet eine zumindest langfristig ähnliche Entwicklung wie in Österreich, wo es Gang und Gebe ist, den Namen des Sponsors im Vereinsnamen zu führen oder die Trikotfarben nicht mehr mit den traditionellen Farben der Vereine überein stimmen.

Auch erschließt sich für uns der Vorteil für die Gesamtheit der Bundesligavereine nicht. Zwar würde vermutlich ein Großteil der Vereine neue Investoren erschließen können, doch ist es unwahrscheinlich, dass kleinere Vereine deutliche finanzielle Zugewinne machen können. Viel wahrscheinlicher ist es, dass eine handvoll der schon jetzt erfolgreichen Vereine das große Geld unter sich ausmachen. Da Geld wohl (leider) in der Tat Tore schießt, werden diese Vereine evtl. auf europäischer Ebene tatsächlich erfolgreicher sein. Innerhalb Deutschlands wird die Spanne zwischen arm und reich allerdings zunehmen. So werden es kleinere Vereine deutlich schwerer haben, eine Überraschung zu schaffen. Viel mehr werden die vorderen Plätze der Bundesliga unter den immer gleichen Vereinen ausgemacht, nämlich denen mit dem größten verfügbaren Kapital.

Schon heute wird der Fußball durch unvorstellbar hohe Geldsummen beherrscht. Der Wegfall der 50+1 Regel wäre ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. In eine Zukunft, in der er noch mehr als ohnehin schon vom Geld gelenkt wird. In der er sich noch mehr als ohnehin schon von seinen Fans distanziert. In der es für Geringverdiener noch schwieriger als ohnehin schon sein wird, sich regelmäßig Spiele im Stadion anzuschauen. Uns als PRO FANS erschließt sich kein einziger Vorteil durch die Abschaffung der 50+1 Regel. Daher spricht sich unser Bündnis entschieden für den Erhalt dieser Regel aus.

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…Hoppenheim und Co

Fußballvereine als Gesamtheit von Verein, Mannschaft und Fan(-kurven) sind gewachsene Institutionen, die in ihrer Stadt oder einer ganzen Region eine wichtige soziale Rolle ausfüllen. Diese Institutionen sind über Jahrzehnte gewachsene Gebilde, die für viele Menschen sehr wichtig sind. Ihre Bedeutung geht über den aktuellen sportlichen Tabellenplatz bzw. ihre Ligazugehörigkeit, einen “Marktwert” und einer Rolle als “Investitionsobjekt” hinaus. Vor diesem Hintergrund lehnen wir künstliche aus wirtschaftlichen Interessen gebildete Konstrukte wie die TSG Hoffenheim oder RedBull Leipzig ab.

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…Einschränkung der Fankultur

Fahnen, Choreographien, Trommeln, Megaphone und freie Meinungsäußerung in den Fankurven auf Spruchbändern und in Fanzeitschriften sind unverzichtbarer Teil einer bunten, kreativen und eigenverantwortlichen Fankultur. Eine bürokratische und willkürliche Einschränkung dieser Fanfreiheiten beschädigt die Fankultur, erzeugt Unverständnis und verstärkt eine Entfremdung zwischen Funktionären und Fans. Profans sieht auch einen verantwortungsvollen Umgang mit Pyrotechnik als Teil dieser bunten Fankultur und unterstützt deswegen die Kampagne “Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren”.

Leider findet sich auch für dieses Thema wieder ein aktuelles Beispiel. Bei unserem nächsten Europacup-Spiel in Neapel sind, wie in Italien leider üblich, ALLE typischen Fanmaterialien, mit denen die Fans die so mitreißende und emotionale Stimmung auf die Ränge zaubern, verboten. Dabei war Italien für seine beeindruckende Tifoseria und die dortigen Ultras bekannt, sind Fans und ihre Stimmung wichtiger Teil des Fußballs. Diese repressive Vorgehensweise soll die Logik der Ultras, die Logik der Fankurven brechen und die Fußballspiele damit zu einem sterilen, sicheren, leichter vermarktbaren und charakter- und identitätslosen Event machen. Sogar Zaunfahnen sind erstmal verboten und müssen durch ein entwürdigendes, bürokratisches und sinnloses Verfahren “angemeldet” werden. IHR HABT DEN FUSSBALL SICHERER GEMACHT, INDEM IHR IHN ZERSTÖRT HABT! BRAVO!

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…polizeilicher Repression

Die repressive Art und Weise, wie Fans seitens der Polizei begegnet wird – Polizeikessel, Provokationen, Gängelung mit Anzeigen für Nichtigkeiten, Demütigungen, Einschränkung der Bewegungsfreiheit – baut bei jugendlichen Fans den Staat als Feindbild auf und schafft ein Klima der Aggression.

Erst beim letzten Auswärtsspiel in Hannover mussten wir vom Gästeblock aus einen brutalen Angriff von Polizisten auf den Fanblock der Hannoveraner beobachten. Rechtfertigung für diesen Angriff war angeblich ein Tipp, im Block sei Pyrotechnik. Für die Polizei anscheinend Anlass genug, die Hannoveraner Fankurve anzugreifen und eine riesige Eskalation mit unabsehbaren Folgen zu provozieren. Angesichts dessen, das zum wiederholten Mal durch einen unverhältnismäßigen Polizeieinsatz die Gesundheit und das Leben von Fans gefährdet wurden – wir erinnern uns an die verantwortungslos durchgeführte Blocksperre für den Gästeblock beim Spiel Werder Bremen – Hamburger SV, bei der mehrere Fans schwer und einer sogar lebensbedrohlich verletzt wurden – erscheint die Rhetorik und schildbürgerartige Bürokratie, die Choreo-Zettel oder Fahnenstangen über 1,5 m zu Sicherheitsrisiken erklärt, als blanker Hohn für uns Fans. Wahrscheinlich wurden bei allen Pyro-Shows der letzten Jahre nicht so viele Fans verletzt, wie alleine bei diesem Angriff der Polizei in Hannover.

Wenn man sich anschaut, wie die Polizisten in Hannover den Fanblock – die Heimat der Fans – attackieren und wie sie mit den Fahnen der Hannoveraner umgehen, kann man kaum mehr davon ausgehen, sie hätten halt einfach keine Ahnung von Fußballfans, sondern muss eigentlich den Schluss ziehen, dass dieser Angriff eine bewusste Eskalation war, die gezielt viel schlimmeres hätte auslösen sollen. Wenn die Polizei mit Statistiken um sich wirft, die von mehr Gewalt und mehr Verletzten in den Stadien spricht, dann verschweigt sie, dass viele dieser Verletzten auf ihre eigenen unnötigen, konfrontativen und gewalttätigen Einsätze zurückzuführen sind, beispielsweise durch inzwischen fast schon alltäglichen und zum Teil großflächigen Einsatz von Pfefferspray gegen Fanblöcke.

Das größte Sicherheitsrisiko ist die Polizei! Solidarität nach Hannover: Getrennt in den Farben, vereint in der Sache!

Ein Video vom Angriff findet Ihr hier: www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=oK8F8hvn4tk

Die Presse schreibt dazu: www.neuepresse.de/Sport/Hannover-96/Uebersicht/Hannover-Pyro-Razzia-mit-Reizgas-in-der-Nordkurve

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