ProFans warnt vor Schnellschüssen und Populismus

Das Bündnis ProFans reagiert mit Befremden auf die Art und Weise des Umgangs mit den Vorkommnissen des letzten Spieltags.

Auch wenn es immer wieder Vorfälle gibt, die nicht gutzuheißen sind, so wäre es fatal, wenn es in deren Folge zu unbedachten Schnellschüssen von Vereinen oder Verbänden käme. „Die Anfang dieser Woche öffentlich vorgebrachten Vorschläge von Hendrik Große Lefert und auch von Andreas Rettig bieten weder mittelfristig noch langfristig eine Lösung im Sinne des Fußballs“, so Gabriele Mateika von ProFans. Der Vorschlag, Tickets zu personalisieren, steigert vor allem den Verwaltungsaufwand, ohne der Sicherheit wirklich zuträglich zu sein. Beispiele aus den europäischen Nachbarländern zeigen deutlich auf, dass personalisierte Tickets vor allem die Besucherzahlen senken, ohne aber einen Zugewinn an Sicherheit im Stadion zu erbringen.

Die lauten Gedanken darüber, Auswärtsfahrten von Fans gänzlich zu unterbinden, sind eine groteske Wiederspiegelung hysterischer Allmachtsfantasien. „Dreißig Leute laufen aufs Spielfeld, es ist der erste derartige Vorfall in der Saison und es sind ein halbes Prozent der bei dem Spiel anwesenden Gästefans. Und deshalb sollen künftig alle ausgeschlossen werden? Das ist, als wollte man eine Stadtbücherei schließen, weil ein halbes Prozent der Benutzer die ausgeliehenen Bücher manchmal nicht zurückbringt“, kommentiert Sig Zelt von ProFans und bringt die Position des Fanbündnisses auf den Punkt: „Es wäre ein Schlag gegen die Fankultur und auch gegen die Stimmung in den Stadien, ganz abgesehen davon, dass ein solches Verbot kaum durchsetzbar wäre und die Trennung der Fanblöcke in den Stadien unterliefe, wie es Beispiele in der Vergangenheit gezeigt haben.“ Gabriele Mateika ergänzt: „Kollektivstrafen werden von der großen Masse als ungerecht empfunden und vertiefen noch die Gräben zwischen Verbänden, Vereinen und Kurven.“

ProFans mahnt hier ein Umdenken an. Einen positiven Einfluss von Gruppen auf ihre Mitglieder erreicht man nicht dadurch, dass man ganze Gruppen unter das Damoklesschwert ihrer kollektiven Verbannung stellt. Hilfreicher wäre es, wenn die Vereine ihre sozialpädagogische Arbeit weiter intensivierten und auch die benachteiligende Diskriminierung von Gästefans aufhörte.

Schon aus der Wortwahl einiger Medien und Offizieller in den letzten Tagen spricht völlige Abwesenheit von Sachlichkeit und Vernunft. Während Fans immer wieder wegen ihrer derben „Kurvensprache“ kritisiert und teilweise sogar sanktioniert werden, sehen sie sich gleichzeitig selbst als „wilde Tiere“ bezeichnet und als „hirnlos“ diskreditiert.

ProFans steht für einen konstruktiven Dialog zwischen Fans und Vereinen. Dass eine sinnvolle Zusammenarbeit von Vereinen und Fans ein gewisses Vertrauen benötigt und dieses durch strafbare Vergehen von Fans sehr erschüttert wird, steht außer Frage. Wenn jedoch auf der einen Seite Vereine gerade jene Fans vom Dialog ausschließen, mit denen es schwierigere Fragen zu klären gibt und gleichzeitig die Fans zum Teil auf üble Art und Weise öffentlich beleidigen, sind die Chancen für einen konstruktiven Dialog von vornherein verbaut. Vielmehr wird auf diese Weise einer weiteren Radikalisierung von ausgeschlossenen Fans Vorschub geleistet. „Die vorgeschlagenen und zum Teil bereits umgesetzten Maßnahmen nach dem Derby in Mönchengladbach nehmen eine Gruppe aus dem Blickfeld der Fernsehkameras, lösen aber keine Probleme, sondern verlagern diese nur auf andere Bereiche“, stellt Alex Schulz von ProFans fest. Gerade Fans, mit denen es Probleme gibt, sollten vielmehr nach Möglichkeit stärker eingebunden werden in den Dialog und in verantwortliche Aufgaben der Fanarbeit.

Auch nach Vorkommnissen, die ProFans weder unterstützt, noch verharmlosen will, ist ein sachlicher Umgang geboten. Zu glauben, jegliche Störung eines Spieles ließe sich für alle Zukunft verhindern, ist einfach illusionär. Wie Werner Spinner in der Süddeutschen Zeitung anmerkt, gehören zum Dialog auch Rückschläge. ProFans stellt dazu fest, dass Verbände und Vereine sich selbst oftmals kontraproduktiv verhalten haben, indem sie den Fans immer wieder Entscheidungen zugemutet haben, die innerhalb der Fanszenen als massive Rückschläge und Vertrauensbrüche bewertet wurden. Dadurch wurden besonnene Kräfte in den Szenen oft geschwächt, statt gestärkt. „Gerade in den Gesprächen mit den Verbänden hatten wir das Gefühl, dass dort ein Umdenken stattfindet und Probleme erst analysiert und aufgearbeitet werden, bevor man öffentlich Maßnahmen vorschlägt“, so Alex Schulz von ProFans. „Leider wurde dieser Eindruck durch die Aussagen von Hendrik Große Lefert widerlegt.“

ProFans-Sprecher Jakob Falk stellt abschließend fest: „Es ist seit Jahren das Gleiche. Zu ruhigen Zeiten signalisieren alle Verantwortlichen Gesprächsbereitschaft und loben die beeindruckende Fankultur in Deutschland. Sobald es aber unliebsame Vorfälle gibt, wird der Dialog in dem Moment aufgekündigt, da er am nötigsten ist. Gleichzeitig verteufeln die Verantwortlichen vor laufenden Kameras die Fankultur in immer neuen Superlativen und Vergleichen. Vor lauter Hysterie werden dann völlig übertriebene Maßnahmen ins Spiel gebracht und möglichst schnell beschlossen. Die Folgen tragen am Ende vor allem Fans, die mit den jeweiligen Vorfällen gar nichts zu tun haben. Wann werden die Verbände und Vereine endlich lernen, mit solchen Situationen professioneller und vor allem konstruktiver umzugehen?“

ProFans fordert die Verantwortlichen aus den Vereinen und Verbänden dringlich auf, die schnell ins Spiel gebrachten Maßnahmen, sowie die bereits erfolgten Schritte zu überdenken. Positive Veränderungen können durch die erwähnten destruktiven Vorschläge aus Sicht von ProFans nicht erreicht werden.

ProFans, im Februar 2015

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Offener Brief an den Geschäftsführer der DFL

Sehr geehrter Herr Seifert,

die Bundesliga ist seit Jahrzehnten eine der attraktivsten Fußballligen der Welt. Hochklassiger Fußball begeistert die Zuschauer, eindrucksvolle Choreographien und bedingungslose Leidenschaft locken jedes Wochenende Hunderttausende in die Stadien und vor den Fernseher.
Dieses Alleinstellungsmerkmal gilt es zu stärken. Die Fans im Stadion sind ein bedeutender Bestandteil der Attraktivität des deutschen Fußballs. Die Bundesliga bietet hier im weltweiten Vergleich etwas ganz Besonderes: ausverkaufte, stimmungsvolle und euphorische Stadien. Ohne Emotionen wäre der Profifußball in Deutschland deutlich weniger reizvoll, nicht nur für die Stadionbesucher, sondern auch für die Zuschauer am Fernseher. Die Unterstützung der Fans in den Stadien lässt den Zuschauer aktiv am Geschehen teilnehmen und stärkt die emotionale Bindung zum Fußball. Gleichzeitig berichten Spieler immer wieder, welche Bedeutung es für sie hat, vor vollen und emotionalen Rängen spielen zu können.
Die zunehmende Zerstückelung der Spieltage in der ersten und zweiten Bundesliga beschädigt dieses deutsche Alleinstellungsmerkmal. Zu einem Spiel am Montag um 20:15 Uhr oder am Mittwoch um 17:30 Uhr kommen grundsätzlich weniger Fans ins Stadion, als an einem Samstagnachmittag. Weniger Fans sind in der Regel gleichbedeutend mit weniger Stimmung und weniger Emotionalität. Dies trifft vor allem die Gästefans enorm, jene Fans, die für das Erlebnis Fußball besonders wichtig sind, da sie als Multiplikator der gesamten Stimmung im Stadion und v.a. der Emotionen dienen.
Seit der Initiative Pro15:30 haben die Fanverbände immer wieder das Gespräch mit der DFL gesucht, dennoch wurde der Spieltag sukzessive ausgeweitet und fanunfreundlicher gestaltet. Wir erkennen an, dass seit einem Jahr die Terminierung seitens der DFL besser und zügiger läuft, doch das darf nicht der Weisheit letzter Schluss sein!

Aus unser Sicht sind folgende Forderungen bei der Vergabe der Fernsehrechte unbedingt zu berücksichtigen:

– Keine weitere Zerstückelung der Spieltage, weder in der ersten, noch in der zweiten Bundesliga.
– Bei den zwei Sonntagsspielen der ersten Bundesliga ist grundsätzlich jenes Spiel um 15:30 Uhr ansetzen, bei dem die geographische Entfernung zwischen den beiden Städten größer ist.
– Der Anpfiff bei “englischen Wochen” in der zweiten Bundesliga darf nicht vor 20:00 Uhr stattfinden. Soll die zweite nicht zeitgleich zur ersten Bundesliga gezeigt werden, so ist zu prüfen, die Spiele der zweiten Bundesliga in eine andere Kalenderwoche zu verschieben.* Grundsätzlich sollten englische Wochen komplett vermieden werden!
– Abschaffung des Montagsspiels in der zweiten Bundesliga. Soll ein vermeintliches Topspiel ein Alleinstellungsmerkmal besitzen, so könnte der 20:30 Uhr-Termin an einem Samstag gewählt werden.
– Abschaffung der Freitagabendspiele in der ersten und zweiten Bundesliga.
– Zeitnahe genaue Terminierung der ersten Bundesliga, wenige Tage, nachdem zu berücksichtigende Europapokal- oder DFB-Pokal-Spiele feststehen.
– Langfristige Terminierung der zweiten Bundesliga, sobald die Teilnehmer (bzw. in späteren Runden der potentiellen Teilnehmer) der nachfolgenden DFB-Pokalrunde feststehen.

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass die Bundesliga trotz des vermeintlichen finanziellen Wettbewerbsnachteil in den letzten Jahren sportlich konkurrenzfähig war und ist, was sich auch durch den Weltmeistertitel zeigte. Riskieren Sie nicht leichtfertig die hier gewachsenen Strukturen, um eine finanzielle Lücke zu schließen, die auch auf Grund der unterschiedlichen Strukturen und historischen Begebenheiten extistiert.

Mit freundlichen Grüßen

ProFans

*Laut DFL Rahmenterminkalender 2015/16 ist in der Kalenderwoche 39 (2015) eine englische Woche angedacht. Diese könnte auf die Kalenderwoche 40 (2015) verschoben werden. In dieser Woche finden weder nationale noch internationale Spiele mit deutscher Beteiligung statt. Auch ist diese Woche nicht durch die Fifa gesperrt worden. Eine zweite englische Woche soll in der KW 10 (2016) stattfinden. Diese könnte umgangen werden, indem die Winterpause um eine Woche verkürzt wird.

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ProFans verleiht Fans des SC Freiburg den Preis „SAM“

Das unabhängige Bündnis ProFans verleiht der Fanszene des SC Freiburg den Negativpreis „SAM“ für den Monat Februar. Die Breisgauer müssen am 19. Spieltag, an einem Dienstagabend zum Auswärtsspiel nach Mönchengladbach reisen (476 km) und am 21. Spieltag, an einem Sonntag nach Berlin (812 km). Ohne Urlaubstage zu nehmen und das Verständnis des Arbeitgebers, wird es für die Anhänger des SC Freiburg nicht machbar sein, ihrem Verein an diesen Spieltagen zu folgen.

Die Abkürzung SAM steht für „SpielAnsetzungsMonster.“ Das SAM wird einmal im Monat vom Bündnis ProFans als Negativpreis an die Fanszene vergeben, die am meisten unter den fanunfreundlichen Anstoßzeiten leiden muss. Der Preis soll die Fanszenen zu noch mehr Engagement gegen diese unerträglichen Missstände motivieren und die Öffentlichkeit über die Problematik aufklären.

Auf den Plätzen Zwei und Drei liegen für den Monat Februar, im negativen Ranking der Jury von ProFans, die Fanszenen von der SpVgg Fürth und die des Halleschen FC.

Das Bündnis ProFans fordert von der DFL in diesem Zusammenhang öffentliche Erklärungen für das Zustandekommen der nachfolgenden sehr fanunfreundlichen Ansetzungen im Monat Februar 2015. Wir Fußballfans sind nicht länger gewillt, solche Ansetzungen einfach so hinzunehmen.

ProFans, im Februar 2015

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Fortsetzung des ProFans-Interviews bei Faszination Fankurve

Bloße Neuauflage des Fankongresses kommt nicht in Frage

Im zweiten Teil des großen Winterinterviews zieht ProFans ein Fazit zum NRW-Pilotprojekt, informiert über den Stand der Planungen für einen Fankongress 2016, erklärt was die DFL zu einem Montagsspiel in der 1. Bundesliga sagt und äußert sich zu den Themen RB Leipzig und HoGeSa.

Faszination Fankurve:
In Nordrhein-Westfalen gab es ein Pilotprojekt, das weniger Polizisten bei Nicht-Risikospielen vorsah. Welche Erfahrungen haben die in ProFans organisierten Gruppen mit dem Projekt gemacht?
ProFans: Weniger Polizei bei Fußballspielen – das finden wir natürlich gut. Wir haben auch positive Rückmeldungen bekommen. Viele Fans fühlen sich durch weniger Polizei freier und mehr wie „normale Bürger“ behandelt. Die Festlegung, was denn nun genau ein „Risikospiel“ ist und was nicht, erscheint derweil immer noch ziemlich undurchsichtig. Es hat Spiele gegeben, bei denen weniger Polizei eingesetzt wurde, obwohl es eine gewisse Rivalität zwischen den Fanszenen zu verzeichnen gab. Das könnte auch als gewisse Provokation gedeutet werden. Als aufmerksame Beobachter verfolgen wir natürlich, ob Vorfälle bei solchen Spiele nicht im Nachhinein benutzt werden, um das Projekt als „gescheitert“ zu deklarieren. Zudem beobachten wir genau, ob – wie einige Spiele vermuten lassen – die offensichtliche Polizeipräsenz zwar heruntergefahren wird, aber dafür vielen Fußballfans – auch ohne Stadionverbot – mit anderen polizeilichen Maßnahmen, wie z.B. Betretungsverboten, zu Leibe gerückt wird. Insgesamt können wir den Fans natürlich nur empfehlen, den Sicherheitsfanatikern nicht unnötige Vorlagen zu liefern. …

Hier geht es weiter mit Teil 2 des Interviews

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Das große ProFans-Winterinterview bei Faszination Fankurve

„Sanktionen vom DFB sind nicht nachvollziehbar“

Die Organisation ProFans, in der zahlreiche Ultràgruppen organisiert sind, stand im großen Winterinterview Rede und Antwort. Im ersten Teil geht es um das derzeit stark diskutierte Thema der DFB-Strafen, aber auch um Anstoßzeiten, erlaubte Fanutensilien und den Dialog mit DFB und DFL.

Faszination Fankurve: Der letzte Fankongress in Berlin liegt jetzt etwas über ein Jahr zurück. Was hat sich seitdem für aktive Fans in deutschen Stadion verändert?
ProFans: Wenn wir jetzt sagen würden, dass die Signale der Verbände und Vereine nach dem Fankongress klar in Richtung Dialog gingen und sich dieser mehr auf Augenhöhe justieren lasse, wäre es nur eine Wiederholung einiger unserer Aussagen nach dem ersten Fankongress. Gerade an dem Thema Verbandsstrafen reibt man sich mittlerweile auf, und man wird wohl bald wieder an einem Punkt ankommen, an dem der Dialog in diesem Zusammenhang auf den Prüfstand gestellt wird. Die Tatsache, dass Fußballfans in der öffentlichen Diskussion immer noch als eine Gefahr wahrgenommen werden, Gewerkschaftsfunktionäre, Politdemagogen und Hardliner unter den Funktionären ein größeres Gehör erhalten als Fanorganisationen und es dementsprechend immer wieder zu unverhältnismäßigen Maßnahmen gegen ganze Fangemeinschaften kommt, macht die Sache natürlich nicht einfacher.

Faszination Fankurve: Zu Saisonbeginn habt ihr euch dem Thema Anstoßzeiten verstärkt angenommen. Wie fällt euer Fazit aus? …

Hier geht es weiter mit Teil 1 des Interviews.

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Richtigstellung zum SAM-Gewinn im Dezember 2014

Aufmerksame Leser*innen unserer Pressemitteilung haben uns die Rückmeldung gegeben, dass sich irgendwie ein Fehler bei unserer Streckenberechnung eingeschlichen hat. Wir bitten diesen Fauxpas zu entschuldigen.  Die Entfernung der Strecke zwischen Bremen und Mönchengladbach beträgt 329km und nicht wie angegeben 476km. Da die Preisverleihung bereits erfolgt ist, ist es zu spät den Gewinner für den Monat Dezember noch einmal zu ändern. Unsere grundsätzliche Kritik an den Anstoßzeiten bleibt unabhängig davon natürlich bestehen. Den Fans von Werder Bremen geht es da nicht anders, als allen anderen Fans auch. Der Gewinn des SAM (SpielAnsetzungsMonster) ist grundsätzlich symbolisch zu verstehen und stellvertretend für alle betroffenen Fans gedacht.

Für fangerechte Anstoßzeiten!

ProFans im Dezember 2014

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ProFans verleiht Fans des SV Werder Bremen den Negativpreis „SAM“ und zieht ein Resümee zu den Aktionen der Hinrunde

Berlin, den 01. Dezember 2014

Das unabhängige Bündnis ProFans verleiht der Fanszene des SV Werder Bremen den Negativpreis „SAM“ für den Monat Dezember. Die Werder-Fans müssen am 14. Spieltag, an einem Sonntagabend zum Auswärtsspiel nach Frankfurt reisen (442 km) und am 16. Spieltag, an einem Mittwochabend nach Mönchengladbach (476 km). Auch in diesem Monat müssen viele Fans unvermeidbar Urlaubstage nehmen, wenn sie ihre Mannschaft in der Ferne unterstützen wollen.

Die Abkürzung SAM steht für „SpielAnsetzungsMonster.“ Das SAM wird einmal im Monat vom Bündnis ProFans als Negativpreis an die Fanszene vergeben, die am meisten unter den fanunfreundlichen Anstoßzeiten leiden muss. Der Preis soll die Fanszenen zu noch mehr Engagement gegen diese unerträglichen Missstände motivieren und die Öffentlichkeit über die Problematik aufklären.

Auf den Plätzen Zwei und Drei liegen für den Monat Dezember 2014, im negativen Ranking der Jury von ProFans, die Fanszenen vom FC Sankt Pauli und von Eintracht Braunschweig.

Mit der fünften und letzten Verleihung des SAM im Jahr 2014 ist es an der Zeit ein kurzes Resümee der zurückliegenden Verleihungen und Aktionen zu ziehen und gleichzeitig einen Ausblick auf die kommende Hinrunde im Jahr 2015 zu geben. Die Verleihung des SAM zog eine Reihe von Aktionen der Preisträger nach sich, die dazu führten, dass im Fall von Hertha BSC und dem FC Augsburg, auch Vereinsoffizielle öffentlich die Forderungen von ProFans bekräftigten.

So plädierte Ingo Schiller, Geschäftsführer Finanzen bei Hertha BSC, für die Einführung der 300km-Regel. Schiller betonte, dass gerade an Freitagen weit entfernte Ansetzungen vermieden werden sollten und versprach, dass der Verein diese Problematik direkt bei der DFL ansprechen werde. Unterstützung bekam die Forderung darüber hinaus vom stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des FC Augsburg, Klaus Hofmann: „Die 300km-Regel ist sinnvoll und für ihre Einführung werden wir unsere Stimme erheben.“

Ob es an den Aktionen lag oder nicht, drei Spieltage in der ersten Fußballbundesliga wurden am Ende der Hinrunde in etwa so terminiert, wie es den Forderungen von ProFans entspricht. „Positiv zu erwähnen ist auch, dass die Bekanntgabe der Spielansetzung zuletzt sehr viel früher erfolgte als in der Vergangenheit. Eine langfristige Planung der Auswärtsfahrten ist somit auch bei schwierigeren Ansetzungen eher möglich“, sagt Jakob Falk, Sprecher von ProFans.

Diese beiden Punkte wären eigentlich ein Grund zur Freude, wenn sie nicht durch weiterhin nicht hinnehmbare Spieltagsansetzungen vor allem in Liga 2 und 3 überschattet werden würden. „Uns ist auch klar, dass die derzeitig verbesserte Situation eine Momentaufnahme sein kann. Allein durch die festgesetzten Anstoßzeiten von Freitag bis Montag, werden zwangsläufig wieder unmögliche Ansetzungen auf uns zukommen“, sagt Gloria Holborn von ProFans.

Daher wird ProFans auch in der Rückrunde weiter das „SAM“ verleihen, um das Thema unablässig in der Öffentlichkeit anzusprechen. ProFans-Sprecher Alex Schulz: „Wir werden auch im kommenden Jahr beim Thema Anstoßzeiten am Ball bleiben. Wir haben in dieser Hinrunde erlebt, dass die Sache viele Fans sehr belastet und dass wieder neues Leben in den Protest gekommen ist. Als Einzelkämpfer können wir vermutlich wenig ausrichten. Uns ist bewusst, dass das Interesse der Fußballvereine bei den Verbänden mehr Gewicht hat. Daher sollten die Fans des Landes alles versuchen, um ihre Vereine aktiv mit ins Boot zu holen. In einigen Fällen hat das schon sehr gut geklappt und die Erfolge wurden öffentlich bekannt.“

ProFans ruft daher die künftigen Preisträger des SAM, sowohl die Fanszenen, als auch die Vereine, dazu auf, den bisherigen Gewinnern zu folgen, auf die Forderungen von fanfreundlichen Anstoßzeiten öffentlich zu reagieren und somit den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen.

Das Bündnis ProFans fordert von der DFL öffentliche Erklärungen für das Zustandekommen der nachfolgenden fanunfreundlichen Ansetzungen für den Monat Dezember 2014. Wir Fußballfans sind nicht länger gewillt, solche Ansetzungen einfach so hinzunehmen.

ProFans, im Dezember 2014

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HoGeSa hat nichts mit der Fankultur zu tun, für die wir stehen!

Das Bündnis ProFans setzt sich seit seiner Gründung für bunte und starke Fankurven ein. Bei allen Unterschieden zwischen den organisierten Gruppen steht ProFans immer für einen antirassistischen Grundkonsens. An vielen Standorten konnte in den letzten Monaten und Jahren ein Erstarken rechtsextremer Strömungen festgestellt werden. Unserem Eindruck nach ist das vielfach ignoriert worden, stattdessen standen Ultras im Fokus sicherheitspolitischer Profilierungsbestrebungen. Dabei war und ist eine starke Ultras-Kultur an vielen Orten ein deutlich wirksameres Mittel gegen eine solche Entwicklung, als es ein von außen kommender aufgesetzter Aktionismus sein kann.

Unter dem Deckmantel von Demonstrationen gegen religiösen Extremismus versuchen rechtsextreme Gruppen und Organisationen mit dem Slogan „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in die Mitte der Fankurven und der Gesellschaft zu rücken. Dabei bedienen sie sich der Popularität des Fußballs. Besonders bemerkenswert ist das deswegen, weil eine Vielzahl der beteiligten Akteure bis dato immer eine vermeintlich unpolitische Haltung für sich propagierte, um ihre rechtsextremen Einstellungen zu verschleiern. Diese Heuchelei sollte spätestens jetzt auch dem Letzten auffallen.

„HoGeSa“ bedient sich des Leitmotivs „Getrennt in den Farben – in der Sache vereint“, das seit vielen Jahren von organisierten Fans, so auch von ProFans, verwendet wird, die sich für ihre Rechte einsetzen. Dabei haben wir mehr als einmal deutlich gemacht, dass in unserer Fankultur für Rassismus kein Platz ist.

„HoGeSa geht es nur darum, gesellschaftsfähig zu wirken“, stellt ProFans-Sprecher Alex Schulz fest. „Es ist jedoch wichtig die wahren Absichten zu erkennen, und diese haben sich in Köln, Dortmund und Essen deutlich gezeigt. Über den ganzen Demozug hinweg waren eindeutig rassistische und nationalistische Parolen zu vernehmen.“ Die hohe Zahl an Teilnehmern in Köln überraschte auch ProFans, zeigt aber sehr deutlich die Gefahr aus dieser Ecke. Viele der Teilnehmer waren dabei nicht eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen, ließen sich jedoch durch ein aktuelles Thema, das viele Menschen ängstigt, für einen solchen Aufmarsch gewinnen und störten sich dann auch nicht an klar rechtspopulistischen Parolen.

ProFans verweist deutlich auf das eigene Selbstverständnis: „Rassismus und jede Form von Diskriminierung haben im Alltag wie auch im Stadion für uns keinen Platz! Es sollte für jeden Fan selbstverständlich sein, sich von rechtsextremen Tendenzen zu distanzieren und besser noch dagegen zu engagieren“, betont Jakob Falk, ebenfalls Sprecher von ProFans. Die Fanorganisation befürchtet durch die unreflektierte Verknüpfung von Fußball mit den Vorkommnissen in Köln, dass Fußballfans erneut pauschal vorverurteilt werden. „Wir hoffen, dass durch die aktuellen Vorfälle ein Umdenken stattfindet und antirassistisch engagierte Fans und Fangruppen endlich den Rücken gestärkt bekommen. Außerdem appellieren wir an alle Fans wachsam zu bleiben. Rechtsextreme und diskriminierende Strömungen dürfen keine Chance haben, sich in den Fankurven breit zu machen“, erläutert Alex Schulz die Forderung von ProFans.

ProFans, im November 2014

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ProFans verleiht Fans des FC Energie Cottbus den Negativpreis „SAM“

Berlin, den 31. Oktober 2014: Das unabhängige Bündnis ProFans verleiht der Fanszene des FC Energie Cottbus den Negativpreis „SAM“ für den Monat November. Die Lausitzer müssen am 17. Spieltag, an einem Freitagabend zum Auswärtsspiel nach Dortmund reisen (585 km) und am 19. Spieltag, ebenso an einem Freitagabend nach Stuttgart (635 km). Ohne Urlaubstage zu nehmen und das Verständnis des Arbeitgebers, wird es für die Anhänger des FC Energie Cottbus nicht machbar sein, ihrem Verein an diesen Spieltagen zu folgen.

Die Abkürzung SAM steht für „SpielAnsetzungsMonster.“ Das SAM wird einmal im Monat vom Bündnis ProFans als Negativpreis an die Fanszene vergeben, die am meisten unter den fanunfreundlichen Anstoßzeiten leiden muss. Der Preis soll die Fanszenen zu noch mehr Engagement gegen diese unerträglichen Missstände motivieren und die Öffentlichkeit über die Problematik aufklären.

Auf den Plätzen Zwei und Drei liegen für den Monat November 2014, im negativen Ranking der Jury von ProFans, die Fanszenen von Fortuna Düsseldorf und von Borussia Mönchengladbach.

Das Bündnis ProFans fordert von der DFL in diesem Zusammenhang öffentliche Erklärungen für das Zustandekommen der nachfolgenden fanunfreundlichen Ansetzungen im Monat November 2014. Wir Fußballfans sind nicht länger gewillt, solche Ansetzungen einfach so hinzunehmen.

ProFans, im Oktober 2014

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ProFans Augsburg: DFL soll endlich Faninteressen ernst nehmen

Die Kollegen von ProFans Augsburg mit einer Pressemittelung zum Thema 300 KM Regelung.

Augsburg, 1. Oktober 2014: Die Saison hat gerade erst angefangen, doch schon nach sechs Spieltagen kann der FC Augsburg den ersten Titel sein Eigen nennen. Der Jubel der Augsburg Fans hielt sich allerdings stark in Grenzen, als am vergangenen Sonntag gegen 15:00 Uhr das „SAM“ an Fans und Verein übergeben wurde. „SAM“ ist das „SpielAnsetzungsMonster“, das im monatlichen Wechsel von ProFans an den Verein bzw. die Fanszene verliehen wird, die durch die fanunfreundlichsten Spielansetzungen am meisten belastet wird.

Je 600 km müssen die Anhänger des FCA an einem Sonntag nach Wolfsburg und an einem Freitag nach Gelsenkirchen zurücklegen um ihrem Verein folgen zu können. FCA-Aufsichtsrat Klaus Hofmann, der den Preis symbolisch entgegen nahm, erkannte richtig: „Eigentlich müssten wir den Preis nicht nur im Monat Oktober, sondern gleich für die ganze Saison bekommen!“ Denn bei allen drei englischen Wochen dieser Saison müssen die Schwaben auswärts ran und dabei jeweils weite Strecken (Leverkusen, Hannover, Dortmund) bewältigen. Hofmann unterstützte ausdrücklich die Aktion und Forderung von ProFans.

Übergeben wurde das SAM an die Augsburger im Schwabenstadion durch einen Vertreter der Fanszene von Hertha BSC. Die Herthaner hatten das SAM im September gewonnen. Die symbolische Übergabe in der Öffentlichkeit war bewusst eine gemeinsame Aktion beider Fanszenen, die damit verdeutlichten, dass fanunfreundliche Anstosszeiten nicht das Problem eines Vereins oder einer Fanszene sind, sondern alle Fans des Landes betreffen. Während des Spiels zwischen Augsburg und Hertha gab es zusätzlich sowohl im Heimbereich als auch im Gästeblock weitere Aktionen zum Thema.

ProFans Augsburg fordert die Verantwortlichen der DFL auf, bei der Ansetzung der Spieltage endlich auch Faninteressen ernst zu nehmen und diese mindestens gleichberechtigt zu anderen Partnern und Parteien zu setzen! Statt 9-Punkte-Plänen und Sicherheitspapieren braucht es endlich auch ein Bekenntnis FÜR die Fankultur! Ein erster Schritt hierzu wäre die Einführung der 300 km-Regelung. Diese sieht vor, dass an Freitags-, Sonntags- und Montagsterminen nur Vereine beteiligt sind, deren Spielorte nicht weiter als 300 km auseinander liegen.

ProFans Augsburg im Oktober 2014

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