GABBO VIVE!

“WER VERGISST IST KOMPLIZE!”

Dieses Spruchband war vergangenen Dienstag in der Südkurve München beim Europapokalspiel des FC Bayern bei der Roma zu lesen. Schon beim Heimspiel gegen Nürnberg zeigte die Südkurve mehrere Spruchbänder, da sich der Todestag Gabriele Sandris am 11. November zum dritten Mal jährte. “GABBO VIVE! ACAB!” Leider scheint gewissen Herrschaften sehr wohl daran gelegen zu sein, dass Gabriele Sandri und mit ihm die Umstände seines Todes in Vergessenheit geraten. Darunter die selben ehrenwerten Herren, die den Mörder Sandris in einem Prozess, der mehr Farce als Gerichtsverfahren war, wegen fahrlässiger Tötung (!) nur zu einer geringen Strafe verurteilten. Der Mörder ist ein Polizist, der nachweislich quer über die Autobahn von der gegenüberliegenden Raststätte aus auf das davonfahrende Auto schoss, in dem Gabriele saß und tödlich getrofen wurde. Angeblich um eine kleine Auseinandersetzung zu beenden, die offensichtlich schon beendet war. Schließlich saßen die Lazio-Fans schon in ihrem Auto und fuhren davon. Ein Wahnsinn!

Statt den Mörder angemessen zu bestrafen, lies der italienische Staat in den folgenden Jahren die Fans aller Vereine pauschal zahlen. “EIN POLIZIST TÖTET EINEN FAN UND NUR DIE FANS SOLLEN BEZAHLEN? WAS FÜR EINE LOGIK?” Die Entwicklung in Italien musst die Schickeria München in letzter Zeit (leider) allzuoft thematisieren. Vergangenen Dienstag durften die angereisten Bayernfans am eigenen Leib erfahren, wie traurig es um die Situation in den italienischen Stadien bestellt ist. “DIE PASSION DES ITALIENISCHEN CALCIO WAR VORBILD IN EUROPA! POLITIKER UND HEUCHLER HABEN SIE ZERSTÖRT! SCHANDE!” “WENN NIEMAND MEHR IM STADION IST, HABT IHR 100% SICHERHEIT! GEWALT BEKÄMPFT, INDEM MAN DEN FUSSBALL ZERSTÖRT HAT – BRAVO!” Die Tragödie um Gabriele steht nicht am Anfang dieser Entwicklung, sie stellt aber einen Einschnitt in dieser dar, die eine enorme Verschlechterung der Situation bedeutete.

Doch Gabriele soll, wenn es nach den grauen Herren geht, in Vergessenheit geraten. Der Wunsch vieler zehntausend Menschen nach einer Gedenktafel für Gabriele an dem Ort, an dem er ermordet wurde, wurde von der Autobahn-Betreibergesellschaft abgelehnt. Man könne nicht für jedes Unfallopfer eine Gedenktafel anbringen. Es geht dabei nicht mal mehr um die Wahrheit, die mit aller Macht verschleiert wird. Es wäre lediglich eine Geste der Menschlichkeit gewesen, doch auch die wurde der Familie und den Freunden von Gabriele verweigert. Gabriele ist aber nicht “nur” ein Opfer, erst recht nicht das eines Unfalls. Gabriele war ein ganz normaler Fan und dass er erschossen wurde war nur ein Zufall, denn gemeint waren wir alle. GABRIELE SANDRI – EINER VON UNS!

Als eine kleine Geste hat die Schickeria München auf der Rückfahrt aus Rom an der Raststätte Badia al Pino Est eine kleine Metallplatte mit folgendem Text installiert und in einem würdevollen Moment Gabriele gedacht.

“Auf dieser Raststätte wurde am 11. November 2007 Gabriele Sandri von einem Polizisten ermordet. Gabriele wurde am 23. September 1981 geboren.
Ruhe in Frieden”

Diese Aktion soll den Wunsch ausdrücken, dass die Verantwortlichen zurück zur Menschlichkeit finden und ein würdevolles Andenken ermöglichen, manifestiert in einer angemessenen Gedenktafel. Der jetzige Zustand ist eine Schande.

“GABRIELE SANDRI VIVE!”

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Fankongress – Berlin 2012

Fankongress Berlin 2012

Die Homepage zum Fankongress 2012 mit allen Informationen zum, im Januar das nächsten Jahres (in Berlin), stattfindenden Fankongress ist nun auf www.fankongress-2012.de abrufbar.

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BAG kritisiert Gewalt-Diskussion

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) hat in einer Presseerklärung die Diskussion über zunehmende Gewalt in Fußballstadien kritisiert. Unter anderen bemängeln sie die ihrer Ansicht nach zu häufige Gleichsetzung von Pyrotechnik und Gewalt.

Aktuelle Presseerklärung der BAG:

Mit Besorgnis beobachtet die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) die derzeitige Mediendebatte um eine angebliche Ausuferung der Gewalt bei und im Umfeld von Fußballspielen. Durch die enge Arbeit mit jungen Fußballfans und den direkten Kontakt in die lokalen Fanszenen ist es den Mitarbeitern/innen der Fanprojekte möglich, aktuelle Entwicklungen und Stimmungen zu registrieren und darauf angemessen zu reagieren.

Die BAG verfolgt mit Sorge die momentan ausufernde Diskussion über die angebliche Gewaltzunahme im Rahmen von Fußballspielen. Vertreter von DFB und DFL, aus Politik und Gesellschaft und die Polizei erwecken in ihren Ausführungen den Eindruck, dass der Besuch eines Fußballspiels zwangsläufig mit einer Gefährdung der eigenen Gesundheit und der Unversehrtheit des eigenen Leibes verbunden ist. Die aktuelle Berichterstattung in den Medien führt zu einer Hysterie und geht völlig am Ziel einer sachgerechten und objektiven Auseinandersetzung mit dem Thema der Gewalt beim Fußball vorbei. In der öffentlichen Wahrnehmung wird ein Bild verfestigt, das nicht den Tatsachen entspricht und in dem bspw. die Verwendung von Pyrotechnik pauschal mit „Gewalt“ und „Randale“ gleichgesetzt wird, und die Ultra-Gruppierungen als alleinige Verantwortliche für die aktuelle Lage dargestellt werden. Durch eine solche Sippenhaft einzelner Gruppen sowie die undifferenzierte Berichterstattung, die in weiten Teilen populistische Züge angenommen hat, kommt man dem Ziel der Verringerung der Gewalt beim Fußball keinen Schritt näher. Vielmehr steigt die Gefahr, dass durch die Darstellung falscher Tatsachen und die Panikmache in vielen Presseberichten, die Gewalt im Umfeld des Fußballs noch weiter ansteigt und sich die Fronten weiter verhärten.

Die BAG fordert bei der derzeitigen Diskussion eine Rückkehr zu einer sachlichen und objektiven Berichterstattung und Debatte. Es sollte sich an sachliche Argumente und an Fakten gehalten werden. Dramatisierungen und Hysterie führen nicht zum Ziel, eher wirken sie sich kontraproduktiv aus. Unabdingbare Voraussetzung aus Sicht der BAG ist, dass es (weiterhin) einen Dialog mit den (betroffenen) Fußballfans/Ultras gibt. Nur durch den offenen und ehrlichen Austausch mit dieser Gruppe ist es möglich, aktuelle Meinungen und Entwicklungen aus den Fankurven zu registrieren und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln, die zielführend und nachhaltig scheinen. Hierzu gehören Verband und Liga mit den Fans/Ultras und deren Organisationen an einen gemeinsamen Tisch. Die Fanprojekte werden diesen Dialog gern auf den Weg bringen, moderieren und begleiten. Nach Ansicht der BAG ist nur über den Weg der Kommunikation und des Dialogs das Ziel zu erreichen, hinter dem alle Fußballfans stehen/stehen sollten: Weniger Gewalt beim Fußball.

i.A. Matthias Stein
BAG Sprecher

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Aktuelle Fandebatte: Mehr Sachlichkeit, bitte!

ProFans bestürzt über aktuelle Äußerungen von Offiziellen / Sachlichkeit bleibt auf der Strecke / Differenzierung notwendig / Verantwortung liegt auch bei den Medien

ProFans ruft zu mehr Sachlichkeit in der aktuellen Fandebatte über Pyrotechnik und Gewalt auf. Die im Fanbündnis organisierten Gruppen sind bestürzt über den Verlauf der öffentlichen Diskussion und die Äußerungen von Offiziellen sowie die Vermischung der Themenfelder – auch in den Medien des Landes. Eine differenzierte Herangehensweise ist unbedingt notwendig, eine Diskussion mit Fans statt über Fans unumgänglich.

Es ist erschreckend, wie nach den DFB-Pokalspielen in Frankfurt und Dortmund eine öffentliche Debatte zustande gekommen ist, die von Populismus seitens der Polizeigewerkschaften, unsachlichen Aussagen seitens der Vertreter von DFB und DFL sowie rechtsstaatlich fragwürdigen, wenn nicht gar absolut unvertretbaren Reaktionen von Vereinsoffiziellen sowie selbst dem hessischen Innenminister getragen ist. Hierbei wird wie immer das Thema Pyrotechnik mit Ausschreitungen gleichgesetzt, sicher auch ein Verschulden der Medien, die diese Verquickung viel zu selten hinterfragen. Damit das klar ist: ProFans lehnt Gewalt ab, ist sich aber auch darüber im Klaren, dass Gewalt im Fußball eben nicht zunimmt, wie vielerorts konstatiert.

Der Gebrauch von Pyrotechnik – und damit ist ganz ausdrücklich nicht das Abschießen von Leuchtkugeln, das Werfen von Böllern oder das Befördern bengalischer Feuer in Zuschauerblöcke oder auf das Spielfeld gemeint – ist Teil der Fan- und insbesondere Ultra-Kultur. Um einen kontrollierten, vielleicht sogar irgendwann legalen Weg der Nutzung zu finden, haben sich zahlreiche Fangruppen, die hauptsächlich dem Spektrum der Ultras zuzuordnen sind, unter dem Dach der Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ zusammengeschlossen und mit dem DFB und der DFL an einen Tisch gesetzt. Dies war die einmalige Chance für die Verbände, mit den Ultras, deren Ziele und Beweggründe sie nicht verstehen und die ihnen gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, in den Dialog zu treten und zwar langfristig. Die Ultras bewiesen, dass sie zu Kompromissen bereit sind und reichten den Verbänden die Hand. Wohlgemerkt auch Gruppen, die der DFB und die DFL sonst wohl nie erreicht hätten. Zu gemeinsamen Positionen zu kommen, hätte der Sicherheit und dem Hausfrieden sehr genützt. Es ist schon befremdlich genug, dass die Offiziellen aus Frankfurt diese Chance nicht genutzt, sondern einseitig die Gespräche beendet haben. Die Aussage von Herrn Dr. Rauball (DFL) hingegen entlarvt diese Gespräche als Farce: Nie habe eine Veränderung des aktuellen Status Quo für die Verbände im Raum gestanden. – Deutlicher kann man seinen Gesprächspartner nicht vor den Kopf stoßen.

Das Ergebnis des Gesprächsabbruchs war die Schwächung moderater Kräfte in den Kurven und die Beweisführung der Ultras, dass sich Pyrotechnik zum einen nicht einfach verbieten lässt und zum anderen abgebrannt werden kann, ohne dass jemand verletzt wird – ein Umstand, der den Vereinen, dem DFB, der DFL und natürlich der Polizei aus nachvollziehbaren Gründen nicht genehm ist. ProFans ist bekannt, dass es körperliche Gewalt gegen andere Stadionbesucher und die Polizei in Frankfurt und Dresden gegeben hat, und lehnt diese ab. Allerdings weist ProFans auch darauf hin, dass das Abbrennen von Pyrotechnik an sich keinesfalls eine Form körperlicher Gewaltanwendung ist. Auch die Bezeichnung „Krawalle“ beschreibt, insofern vom Abbrennen von Pyrotechnik die Rede ist, in keiner Weise den sachlichen Tatbestand. Der direkte Bezug von körperlicher Gewalt und bengalischen Feuern, der hier offenbar bewusst immer wieder hergestellt wird, ist entweder böswillig-populistisch oder fahrlässig. Auf jeden Fall dient er nicht einer sachlichen Aufarbeitung der Geschehnisse.

Ebenso wenig übrigens, wie die Reaktion der Vereine. Wenn Martin Kind die Dauerkartenpreise für Ultras erhöhen möchte, dann zeugt dies ebenso von einem gefährlichen Verständnis der Rechtsstaatlichkeit, wie wenn Heribert Bruchhagen „bekennenden Ultras“ die Dauerkarten verwehren will. Zudem diskriminieren sie eine Fangruppe in ihrer Gesamtheit. Wenn Herr Bruchhagen dann auch noch gemeinsam mit dem hessischen Innenminister Boris Rhein dafür sorgen möchte, dass Schulen und Arbeitgeber vermeintlich gewalttätiger Fußballfans durch die Polizei über ihren Freizeitvertreib informiert werden sollen, so muss man sich fragen, ob insbesondere Letzterer nicht noch einmal das Strafgesetzbuch bzw. die Strafprozessordnung studieren sollte. Er würde dann feststellen, dass die „Nebensanktion gesellschaftliche Isolation“ vom Gesetzgeber bisher nicht vorgesehen wurde. Ebenso wenig übrigens die „Nebensanktion Stellenverlust“.

Pikant sind auch die Äußerungen von DFB-Präsident Dr. Zwanziger. Gerade erst war ein neuer Versuch des Dialogs zwischen DFB/DFL und Fanvertretern begonnen worden. Hinter den Kulissen wird an einer neuen Struktur der „Arbeitsgruppe Fanbelange“ gearbeitet, um effektiv, transparent und für alle Beteiligten ergebnisorientiert eben mit und nicht nur über Fans zu sprechen. Mit seinen jüngsten Aussagen, die zweifelsohne dem öffentlichen Druck geschuldet sind, konterkariert Herr Dr. Zwanziger diese Bemühungen gewissermaßen. Schließlich ruft er doch OHNE mit den Fans vorher geredet zu haben, direkt nach harter Bestrafung, die allerdings bisher nie ihren gewünschten Erfolg hatte. ProFans mahnt eindringlich dazu, wieder auf eine sachliche Ebene zurück zu finden und den intensiven Dialog zu suchen. Die Reaktionen der Offiziellen müssen dringend Gesprächsthema der sich konstituierenden Arbeitsgruppe werden, um diese nicht von vornherein ad absurdum zu führen. Es wäre fatal, wenn die sogenannte Task Force, die DFB und DFL am 14. November beim Runden Tisch mit den Innenministern (der alles andere als ein solcher ist und wo man wieder einmal über und nicht mit Fans spricht) ins Leben rufen möchten, ein Gremium werden würde, bei dem Fanvertreter erneut außen vor blieben!

Das Vertrauen der Fan- und Ultraszenen für eine Zusammenarbeit mit DFB und DFL ist derzeit mehr als erschüttert. Es ist davon auszugehen, dass sich viele Fans und Ultras solidarisch mit anderen Enttäuschten von den Verbänden und Gesprächsversuchen abkehren und sich zunehmend wieder allen Mahnungen verschließen werden. Die Antipathien gegenüber sämtlichen Offiziellen wachsen damit weiter. Diese Entwicklung zeichnet sich bereits deutlich ab, wie auch die Beispiele der jüngsten Vorfälle im DFB-Pokal bestätigen. Damit wird die Situation aus Sicht von ProFans nicht besser, sondern vielmehr unberechenbarer und damit gefährlicher. Wir ermahnen die Verantwortlichen von DFB und DFL dringlich – vor allem auch im Interesse der Sicherheit – das Konfliktpotential nicht noch größer zu machen, als es ohnehin schon ist.

ProFans erneuert hiermit die Einladung an die Verbände, beim Fankongress am 14. und 15. Januar 2012 die Gelegenheit einer sachlichen Diskussion und Aufarbeitung wahrzunehmen, anstatt in alte Muster zu verfallen.

ProFans im November 2011

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Aktuelle Pressemitteilung der AG Fananwälte

AG Fananwälte Die „Arbeitsgemeinschaft Fananwälte“ ist ein Zusammenschluss von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, die regelmäßig Fußballfans vertreten und selbst zum Teil jahrelange Erfahrung in den Fankurven haben. Weitere Informationen unter: www.fananwaelte.de

Aktuelle Pressemitteilung der AG Fananwälte:
“Die „Arbeitsgemeinschaft Fananwälte“ fordert eine differenzierte Sicht auf die Vorfälle in und außerhalb der Stadien: Dialog statt Populismus

Mit Verwunderung nimmt die AG Fanänwälte zur Kenntnis, dass die Fußballverbände (DFB und DFL) nun das Gespräch mit den Generalstaatsanwaltschaften und sogar dem Generalbundesanwalt suchen und dort offenbar für eine “härtere Gangart der Justiz” werben wollen.

Wenn der Kollege Dr. Rauball öffentlich über die angeblich zu weit gehende “Nachsicht sehr verständnisvoller Gerichte” fabuliert und sich zum Beleg für diese These allein auf angebliche Stimmen aus der “Bevölkerung” beruft, offenbart er nicht nur seinen Hang zu Populismus, sondern vor allem eine weitgehende Unkenntnis der Materie. Nach den Erfahrungen der Mitglieder der AG Fananwälte existiert bereits heute an fast allen Fußballstandorten eine Art “Sonderstrafrecht” für Fußballfans. Dieses ist dadurch gekennzeichnet, dass aus generalpräventiven Überlegungen heraus auch bei Bagatelldelikten keine Verfahrenseinstellung erfolgt, dass auch bei Ersttätern Haftstrafen verhängt werden usw.

Der Gesprächswunsch der Verbände mit den Strafverfolgungsbehörden irritiert aber vor allem auch deshalb, weil dieselben Verbände gerade erst den Dialog mit der Initiative “Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren” beendet haben – und damit unzweifelhaft einen wesentlichen Beitrag zur Verschärfung der Lage leisteten, zu deren Bewältigung jetzt nach der Justiz gerufen wird.

Bislang waren vor allem die Polizeigewerkschaften dadurch aufgefallen, dass sich ihre Führungspersonen regelmäßig mit sensationsheischenden populistischen Stellungnahmen zum Thema der Sicherheit bei Fußballspielen äußern. Dass sie dabei auch die Forderung nach einer Kostenbeteiligung der Vereine erheben, erregt bekanntlich den Unmut der Fußballverbände und –vereine.

Wenn nun aber DFB und DFL es für eine sinnvolle Strategie halten, den Populismus der Polizeigewerkschaften noch zu übertrumpfen und lediglich die eine populistische Forderung – Kostentragung der Vereine für Polizeieinsätze – durch eine andere ebenso populistische Forderung – den Ruf nach einer „härteren Gangart“ der Justiz – zu ersetzen, so begibt man sich auf einen gefährlichen Irrweg.

Wer ernsthaft an einer Lösung bestimmter Probleme rund um den Fußball interessiert ist, für den kann es zum Dialog keine Alternative geben. Wer immer wieder den Prozess einer “Selbstregulierung” der Fanszenen fordert, sollte einen Zusammenschluss von über 150 Ultragruppierungen verschiedener Vereine als Gesprächspartner ernster nehmen.

Wenn statt dessen jetzt verschiedene Manager und Funktionäre des Profifußballs immer öfter öffentlich über eine Ausgrenzung ganzer Fangruppen (durch Abschaffung von Stehplätzen oder Preiserhöhungen, durch den Ausschluss von Gästefans etc.) nachdenken, so wird das keinesfalls zu einer Befriedung der Fanszenen beitragen. Im Gegenteil: wenn weite Teile der Fans sich nicht ernst genommen fühlen, als unerwünscht gelten, übertriebene staatliche Repression sowie lediglich auf Verdacht ausgesprochenen mehrjährige Stadionverbote erfahren und auch medial nur als dumpfe unerreichbare Gewalttäter wahrgenommen und dargestellt werden, so leistet man eher einer Radikalisierung der Betroffenen Vorschub. Am Ende stehen weitere Gewaltausbrüche und erneut der Ruf nach mehr Repression und Ausgrenzung.

Die „Arbeitsgemeinschaft Fananwälte“ fordert deshalb die Fußballverbände auf, den Dialog nicht nur mit Staatsanwälten und Innenministern zu suchen, sondern diesen auch mit den betroffenen, dialogbereiten Fans zu führen. Insbesondere die Gespräche mit der Initiative „Pyrotechnik legalisieren. Emotionen respektieren“ sollten konstruktiv fortgesetzt und wieder aufgenommen werden. Alle Verantwortlichen müssen einsehen, dass mehr Populismus und noch mehr Repression kein praxistaugliches Konzept für den Umgang mit Fans ist, sondern bestehende Probleme nur verschärft und einer Radikalisierung Vorschub leistet.

30. Oktober 2011
Arbeitsgemeinschaft Fananwälte”

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Bayern München – Hertha BSC


Bei unserem Heimspiel am 15.10.2011 gegen Hertha BSC präsentierten wir ein Spruchband anlässlich eines Jubiläums, das bei unseren Freunden in Bochum gefeiert wurde. 100 Jahre Fußball an der Castroper Straße. Wir zeigten: “100 Jahre Fußball an der Casse – Für immer Ruhrstadion”. Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass egal welchen Namen die Verantwortlichen dem schönen Stadion an der Castroper geben, es für immer Ruhrstadion heißen wird.
Über ein Medienecho oder ähnliches ist uns nichts bekannt.

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Pro Fans organisiert 2012 Fankongress in Berlin

Fankongress zum Erhalt der Fankultur findet am 14. und 15. Januar 2012 in Berlin statt

Zu einem Fankongress in Berlin lädt die bundesweite Faninitiative ProFans am 14. und 15. Januar 2012 ein. Nach der Demonstration “Zum Erhalt der Fankultur” sehen die Initiatoren den Fankongress, der im “KOSMOS” an der Karl-Marx-Allee stattfinden wird, den logischen nächsten Schritt für einen Fußball der Zukunft, in dem Fans ein elementarer Bestandteil sind.

Auch im Jahre 2011 ist das Fußballfandasein eine Herausforderung. Bilder und Berichte von Ausschreitungen, gepaart mit populistischen Forderungen nach mehr Repression und härteren Gesetzen, bestimmen die Medienberichterstattung und prägen somit auch das Bild von Fußballfans in der öffentlichen Wahrnehmung. Eine Berichterstattung über die vielen positiven Aspekte der Fankultur findet so gut wie gar nicht statt. Ebenso wenig spielen die Herausforderungen eine Rolle, denen Fans sich tagtäglich stellen müssen. Der Alltag von Fans ist bestimmt von Konfrontation und Drangsalierung statt Dialog und Transparenz. Obwohl immer wieder betont wird, wie wichtig Fans für den Fußball sind, wird nur von Partnerschaften zwischen den Verbänden, Vereinen, Sicherheitsorganen, Fernsehanstalten und Sponsoren gesprochen. Fans werden nicht als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert.

Der offizielle Abbruch der Gespräche mit den Verbänden – der Ausstieg aus der AG Fandialog im September 2010 – war die logische Konsequenz aus den oben genannten Zuständen, die auch in den Vorjahren bereits zu beklagen waren. ProFans war und ist weiterhin gesprächsbereit, nimmt es jedoch nicht länger hin, dass man nicht ernsthaft mit den Fans redet – ihnen noch nicht mal wirklich zuhört. Niemand erwartet, dass alle Forderungen 1:1 umgesetzt werden, aber eine ernsthafte, gemeinsame und gleichberechtigte Auseinandersetzung mit den Themen ist unumgänglich. Fans sind keine Bittsteller, Fans sind Teil des Fußballs!

Mit der Fandemo im Oktober 2010 wurde von den Fangruppen ein deutliches Zeichen gesetzt. Die Kampagne „Zum Erhalt der Fankultur“ wurde anschließend mit lokalen Aktionen weiter geführt. Es ist nun an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. “Wir sind bereit zu diskutieren, zu analysieren, zu reflektieren und Konzepte zu entwickeln. Wir wollen Freiräume und Verantwortung, und daher ist es an der Zeit, dass wir unsere Zukunft selber in die Hand nehmen. Dass wir darüber reden und debattieren, Ideen austauschen und Lösungsansätze entwickeln, wie wir uns die Zukunft von Fans im Fußball vorstellen und wie dies machbar ist. Leidenschaftlich und emotional, aber auch selbstkritisch und realistisch”, so Philipp Markhardt, Pressesprecher von ProFans.

Deswegen wird es am Wochenende vom 14. bis zum 15. Januar 2012 einen aus den Reihen der Fans selbst organisierten Fankongress geben, auf dem zusammen mit anderen wichtigen Entscheidungsträgern in Workshops, Referaten und Podiumsdiskussionen darüber gesprochen werden soll, welcher Fußball in der Zukunft vorstellbar ist und welche Rolle Fans in diesem spielen werden.

ProFans im Oktober 2011

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Pressemitteilung zum Einsatz von „Smart Eyes“ in Fußballstadien

Hamburg, 23. März 2010 – Die bei ProFans organisierten Gruppen kritisieren den Einsatz der neuen Überwachungsmethode „Smart Eyes“ beim Spiel Fortuna Düsseldorf gegen den VfL Osnabrück. Eine Überwachung, wie sie durch „Smart Eyes“ möglich wird, hat nichts mit der Aufklärung von Straftaten zu tun, sondern baut eine Kulisse der Einschüchterung auf. Das normale Verhalten im Fanblock, das Hüpfen und Singen, das Schreien und Schimpfen wird automatisch registriert und von einem Computersystem verarbeitet.
Wir sehen im Einsatz dieser Technologie eine weitere Entrechtung der Fußballfans, da sie biometrische Daten bei vollkommen normalen Handlungen erfasst und diese mit Hilfe von verschiedenen Datenbanken in gewisse Gefahrenstufen eingeordnet werden.

Diese Herangehensweise hat leider in den letzten Jahren zunehmend Einzug in die Stadien gehalten und trägt nicht dazu bei, das Spannungsfeld zwischen Fans und Polizei zu entschärfen. Anstatt in immer umfangreichere Überwachungstechnologien zu investieren, sollten sich die zuständigen Stellen bereit erklären, die sozialpädagogische Arbeit der Fanprojekte verstärkt zu fördern.
Eine ähnliche Lage stellt sich für uns bei der Verwendung von „Indect“, einer weiteren Überwachungsmethode, die sich momentan in der Erforschung befindet, dar. Weiterhin ist es schlicht nicht hinnehmbar, dass wir Fußballfans einmal mehr ohne vorherige Information zu Versuchsobjekten von Sicherheitstechnologie werden. Weder die Fans aus Düsseldorf, noch die aus Osnabrück wurden über den Einsatz der „Smart Eyes“ informiert. Es ist einzig und alleine der Verdienst der kritischen Fans und Journalisten, dass wir im Nachgang des Spieles von dem Einsatz dieser Überwachungsmethode erfahren haben.
Wir werden den Einsatz von „Smart Eyes“ und „Indect“ weiter kritisch beobachten und unsere Aktionen in diesem Bereich ausbauen. Es scheint, als wären wir Fans einmal mehr das Versuchsfeld für technische Neuerungen im Bereich Überwachung. Die Stadien sind nur der Anfang, ist das System hier ausreichend getestet, ist eine Ausweitung auf die Straßen und öffentlichen Plätze in Deutschland wohl nur eine Frage der Zeit.

Weitere Informationen:

http://www.stopp-indect.info/
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77299719.html

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Fazit der Veranstaltung mit Amnesty International

Mehr Verantwortung bei der Polizei
Informationsveranstaltung Münchner Fußballfans
in Zusammenarbeit mit Amnesty International
für Vertreter der Presse und Interessierte
am 25.01.2011

Die inzwischen schon oft behandelte Kampagne „Mehr Verantwortung bei der Polizei“ (www.amnesty-polizei.de) der Menschenrechtsgruppe Amnesty International brauchen wir wohl kein weiteres Mal detailliert vorstellen. Mit einigen Tagen Abstand wollen wir an dieser Stelle ein Fazit zu unserer gemeinsamen Veranstaltung mit Amnesty ziehen und das fällt überwiegend positiv aus.

Positiv, weil wir eine sachlich und argumentativ sehr gute Veranstaltung erlebt haben, die gezeigt hat, dass die von Amnesty International aufgestellten und von uns Fußballfans aufgegriffenen Forderungen nach einer Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte (u.a.) keineswegs Polemik gesellschaftlicher „Randgruppen“ sind, sondern so in der „Mitte der Gesellschaft“, repräsentiert durch Vertreter der Parteien SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, geteilt werden. Eben jene entlarvten die immer wieder vorgebrachte „Kritik“ an einer solchen Kennzeichnungspflicht als fadenscheinig.

Positiv, weil wir mit unserer Zusammenarbeit zwischen Fans von „den Blauen“, „den Roten“ und aus Fürth die Bedeutung aufgezeigt haben, die dieses Thema für uns Fußballfans als Ganzes hat. Wer sich jetzt über die Zusammenarbeit mokiert oder gar über sie überrascht ist, der hat wohl bisher die Relevanz dieses Problems verkannt. Die Ausführungen über die Übergriffe gegen 60er Fans beim Amateure-Derby 2007 und gegen Fürther Fans beim Pokalspiel gegen den FC Bayern Anfang 2010 haben sie ein weiteres Mal eindrücklich unterstrichen.
Nur „überwiegend positiv“, weil an diesem Dienstag Morgen viele Plätze vor der Bühne leer blieben. Es waren zwar Vertreter aller relevanten Münchner Medien vor Ort (SZ, Merkur (www.merkur-online.de/sport/tsv-1860/loewen-bayernfansvereinen-sich-kampf-gegen-polizei-meta-1860-1098807.html), TZ (www.tz-online.de/sport/fc-bayern/loewen-bayernfansvereinen-sich-kampf-gegen-polizei-meta-fcb-1098808.html) und BR berichteten) – die hoffentlich den ein oder anderen Eindruck mitgenommen haben und nicht nur jetzt einmal einen etwa kritischeren Artikel schreiben, sondern im Kopf behalten, dass es IMMER neben der Mitteilung der Polizei auch eine zweite Sicht auf die Dinge gibt – wir hätten uns aber trotzdem mehr Andrang im Orangehouse gewünscht. Aber auch das geringe Interesse an der Veranstaltung spricht ein Stück weit für sich.

Fotos der Veranstaltung findet Ihr übrigens hier: www.schickeria-muenchen.org

Um an dieser Stelle an den von regen Diskussionen bestimmten Charakter der Veranstaltung anzuknüpfen, überlassen wir im Folgenden den Diskussionsteilnehmern auch in der Nachbetrachtung das Wort.

Alexander Bosch von Amnesty International:
„Es war eine sehr interessante Veranstaltung, in welcher durch die Erzählungen der Fans und deren Anwalt noch einmal deutlich wurde, wieso Amnesty International eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte und einen Unabhängigen Untersuchungsmechanismus fordert. Außerdem hat die Veranstaltung gezeigt, wie wichtig das Thema ist, da selbst Fans von Bayern München und des TSV 1860 München eine gemeinsame Veranstaltung ausgerichtet haben. Auch die Vertreter der Parteien SPD, FDP und Bündnis 90/die Grünen wissen um die Wichtig- und Richtigkeit dieser Forderungen und haben sich als Unterstützer der Forderungen der Fans und Amnesty Internationals geoutet.“

Marco Noli, Anwalt aus München:
Dieses System unidentifizierbarer Sondereinheiten mit eigener Videohoheit und fehlender Unabhängigkeit der Ermittler führt dazu, dass es ganz schwer ist einzelne Beamte bei Übergriffen verantwortlich zu machen. Dies ist für einen Rechtsstaat beschämend und wird von Amnesty International zu Recht kritisiert, weil es gegen die Grundsätze der Europäischen Menschenrechtskonvention verstößt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fordert, dass Ermittlungen effektiv, umfassend und unabhängig erfolgen müssen. Dies würde zumindest erfordern, dass die Ermittlungen bei Vorwürfen gegen Polizeibeamten zumindest nicht von Beamten desselben Polizeipräsidiums und der örtlich zuständigen Staatsanwaltschaft geführt werden. Zudem würde eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte das Vertrauen in die Polizei stärken und die Ermittlungen erleichtern. Es gibt kein vernünftiges Argument, das dagegen spricht. Der deutsche Anwaltverein fordert daher eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte: „Die Experten sind sich einig: Kennzeichnungspflicht ist gut für die Polizei
Brandenburg will die generelle Kennzeichnungspflicht für uniformierte Polizeibeamte einführen. In einer Anhörung im Innenausschuss begrüßten die Experten einen Gesetzesentwurf der CDU-Landtagsfraktion (Drs. 5/1442) (www.parldok.brandenburg.de/parladoku/w5/drs/ab_1400/1442.pdf). ‘Die Einführung einer Kennzeichnungspflicht garantiert die individuelle Zurechenbarkeit staatlichen Handelns und trägt damit zur nachhaltigen Vertrauensbildung zwischen Bürgern und Polizei bei’, sagte DAV-Expertin Rechtsanwältin Dr. Heide Sandkuhl, Vorsitzende des Ausschusses für Gefahrenabwehrrecht des DAV. Staatliches Handeln sei nur so gut, wie es auch überwacht werden kann. Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch nahm den Gewerkschaftsvertreten ihre Bedenken: ‘Retourkutschen’ gegen Beamte seien mit Fakten nie belegt worden. Glietsch hatte die Kennzeichnungspflicht per Dienstanweisung zu Beginn des Jahres trotz Widerstands der Polizeigewerkschaften und der Hauptstadt-CDU für die Berliner Polizei angeordnet. ‘Die individuelle Kennzeichnung ist eine selbstverständliche Geste der Bürgerfreundlichkeit’, so Glietsch. Die gesetzliche Einführung in Brandenburg gilt als wahrscheinlich: Schon im Koalitionsvertrag sprachen sich die Regierungsfraktionen aus SPD und Die Linke für das Vorhaben aus. Damit könnte Brandenburg eine Vorreiterrolle in Deutschland übernehmen. Der DAV setzt sich seit 2010 für eine generelle Kennzeichnungspflicht ein (vgl. DAV-Stellungnahme Nr. 38/2010) (http://anwaltverein.de/downloads/stellungnahmen/SN-10/SN-38-2010.pdf)“

Florian Ritter, Mitglied der SPD-Landtagsfraktion:
„Eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten ist dringend notwendig. Das haben die von den Fans beschriebenen Vorfälle gezeigt. Es kann und darf nicht sein, dass wir bei Fällen von Körperverletzung oder Freiheitsberaubung durch Beamte die Täter nicht identifizieren können. Es kann und darf auch nicht sein, dass sowohl die CSU als auch das Innenministerium diese Vertuschungspraxis deckt. Wir könnten diese Kennzeichnungspflicht schon jetzt einführen, wenn der FDP der Schutz der Grundrechte wichtiger wäre als Koalitionstreue.
Eine Kennzeichnungspflicht ist auch im Interesse von Polizei und Politik. Vertrauen zwischen Bürgern und Polizei kann auf Dauer nur sichergestellt werden, wenn solche Übergriffe auch geahndet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Rechtsanwalt Rolf Merk, Referent für Recht und Grundsatzfragen der FDP-Landtagsfraktion:
„Die Veranstaltung war ein wichtiger Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit, da die negativen Erfahrungen der Fußballfans mit der Polizei meines Erachtens bisher viel zu wenig Resonanz und Empörung hervorgerufen haben. In beeindruckender Weise wurde durch die Schilderung von Betroffenen unter Beweis gestellt, dass jeder Fußballfan allein dadurch Opfer eines polizeilichen Übergriffs werden kann, wenn er sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhält. Ist allein dies schon eines Rechtsstaates unwürdig, so wird dem Ganzen die Krone aufgesetzt, wenn die Aufklärung einer Körperverletzung durch einen Polizeibeamten dann daran scheitert, dass der Täter nicht zu identifizieren ist. Darüber sollten all die nachdenken, die sich vorschnell und ohne jeden sachlichen Grund gegen eine Kennzeichnungspflicht von Beamten aussprechen. Oder sind Fußballfans für manche einfach nicht schützenswert?“

Nikolaus Hoenning, Persönlicher Mitarbeiter von Susanna Tausendfreund, MdL Bündnis 90/Die Grünen:
„Die Diskussion am 25.01. hat dramatisch deutlich gemacht, wie notwendig eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte für einen vertrauensvollen Umgang zwischen Bürgerinnen und Bürgern mit der Polizei ist. Wer eine Kennzeichnungspflicht verhindert, der untergräbt den gesellschaftlichen Konsens in das Gewaltmonopol des Staates, das der Polizei auch eine besondere Verantwortung auferlegt.“

Günter Krause, Projektleiter des Fanprojekts München
„Da es eine Informationsveranstaltung für die Presse war, waren natürlich nur Personen auf dem Podium, welche der Forderung zur Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte positiv gegenüber stehen. Interessant wäre es gewesen, wenn ein/e VertreterIn der CSU – Landtagsfraktion anwesend gewesen wäre, aber dann wäre es natürlich eine Podiumsdiskussion geworden. Vielleicht sollte man dies mal ins Auge fassen, um die politisch Verantwortlichen zu klaren Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit diesbezüglich zu zwingen.
Die Veranstaltung war optimal vorbereitet und organisiert und vom Moderator sehr gut geleitet. Bei der zeitlichen Terminierung hat man natürlich das Problem, dass man die PressevertreterInnen hauptsächlich nur zur Tageszeit erreicht und die interessierte Öffentlichkeit meistens nur am Abend Zeit hat.
Die Kennzeichnungspflicht für PolizeibeamteInnen ist/sollte ein allgemeines öffentliches Thema sein, da in einem demokratischen Staat dies eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Dass PolizistenInnen und ihre gewerkschaftliche Interessensvertretung in der Mehrheit dies ablehnen kann man vielleicht ja noch nachvollziehen, aber die demokratischen Parteien,als gewählte Volksvertreter müssten dazu klar Stellung beziehen und sich nicht immer auf eine gesamt deutsche Entscheidung heraus reden. Dies noch dazu, da die Polizei ja Ländersache ist. Wären die Landtage dafür, würde sicher auch die Bundespolizei nachziehen. Im Bay. Landtag hätten die Oppositionsparteien ja mit der FDP zusammen eine Mehrheit, um dies umzusetzten.
Super finde ich, dass Fanvertreter aus Fürth und den beiden Münchner Profivereinen bei diesem Thema gemeinsam an einem Strang ziehen. Sehr positv war auch, dass sich hierbei junge Fans in den Fokus der Öffentlichkeit stellen, um ihre berechtigten Forderungen zu artikulieren und einzufordern.
Die Diskussion selbst war lebendig und nach meinen dafür halten sehr informativ, wobei vielleicht zum Schluss die Politik etwas zu sehr Gewicht bekam und es leider zu wenig Nachfragen aus dem ‘Publikum’ gab.
Zum Thema Kennzeichnungspflicht für PolizeibeamteInnen muss ich noch darauf hinweisen, dass auch die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte diese Forderung erhebt und am 12. 01. 11 beim Kongress ‘Feindbilder ins Abseits’ in Frankfurt veröffentlicht hat. Dieser Kongress wurde gemeinsam durchgeführt vom DFB, DFL und der Gewerkschaft der Polizei (GdP).“

Herbert Schröger von „Löwenfans gegen Rechts“:
„Das große Interesse der anwesenden Medienvertreter an der Thematik und die weitestgehende Einigkeit aller Gesprächsteilnehmer hinsichtlich der unbedingten Notwendigkeit der Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte war aus unserer Sicht sehr erfreulich. Sicherlich dem knappen zeitlichen Rahmen geschuldet, kam leider die ebenso dringend erforderliche Diskussion um eine unabhängige Kontrollbebehörde für Vergehen im Amt nach englischem Vorbild etwas zu kurz, die in der Zukunft verhindern könnte, dass in solchen Fällen die Polizei quasi gegen sich selbst ermitteln muss. De facto aber geht erst mal alles munter weiter wie gehabt – seit dem vergangenen Wochenende beschweren sich Fans aus Regensburg massiv über anlasslose und ungerechtfertigte Prügelattacken des in Burghausen eingesetzten USK unter anderem auch gegen Kinder und ältere Personen. Anfang der Woche dann wurden die Ermittlungen aufgrund der auch von der Staatsanwaltschaft unbestrittenen polizeilichen Ausschreitungen beim Amateurderby 2007 gegen unbeteiligte Fans, darunter Frauen und Kinder, wegen mangelnder Identifizierbarkeit der Täter von der Generalstaatsanwaltschaft endgültig eingestellt.

Wir werden weiter kämpfen bis zur letzten Instanz und bitten alle anderen betroffenen Fangruppen darum, es uns gleich zu tun!“

Jörg Strauß, Vertreter der betroffenen Fans der SpVgg. Fürth:
„Die Einladung zur Informationsveranstaltung in München über die Kampagne von Amnesty International für mehr Verantwortung bei der Polizei nahmen wir in Fürth trotz zeitlicher Probleme gerne an, da diese Thematik innerhalb unserer Szene nicht zuletzt wegen der Vorfälle um das Pokalspiel der Spielvereinigung beim FC Bayern einen hohen Stellenwert genießt.
Erfreulicherweise waren Pressevertreter aller relevanten Münchner Zeitungen vor Ort, die den Ausführungen der bunt besetzten Diskussionsrunde folgten. Wir erhoffen uns, dass durch diese Veranstaltung zumindest die vertretenen Journalisten sensibilisiert werden konnten und somit ein differenzierteres Bild in der Presselandschaft erreicht werden kann. Die öffentlichkeitswirksame Darstellung von Missständen und zugleich der aus ihnen entspringenden Forderungen ist unabdingbar, um in der heutigen Mediendemokratie Aufmerksamkeit zu erlangen. Es gilt nun kontinuierlich am Ball zu bleiben und weitere Möglichkeiten auszuloten, um den Druck auf die Politik zu erhöhen, der gerade in Bayern nötig sein wird, um wichtige Fortschritte zu erreichen.
Abschließend möchten wir uns bei den Organisatoren Pro Fans München und Löwenfans gegen Rechts bedanken, welche die Veranstaltung ermöglicht haben.“

Simon Müller von Profans München:
„Die Veranstaltung war aus unserer Sicht sehr erfolgreich. Die beschriebenen Fälle haben eindrucksvoll gezeigt, dass eine Kennzeichnung von Polizeibeamten auch in geschlossenen Einsätzen wie eben Fußballspielen und die Einrichtung unabhängiger Untersuchungsstellen bitter nötig sind, um bei Übergriffe von Polizeibeamten gegen Fans zumindest eine Aufklärung zu erleichtern. Dass es sich bei den beiden vorgestellten Fällen keineswegs nur um Einzelfälle gehandelt hat, hat nicht nur die Recherche von weiteren Vorfällen gezeigt, sondern deckt sich auch mit unseren Erfahrungen, die wir Spieltag für Spieltag als Fans in den Kurven machen.“

Werdet aktiv, informiert Euch, redet mit, unterstützt die Kampagne!
„Löwenfans gegen rechts“ und Profans München

In der Vorbereitung haben wir einige weitere Fälle von Polizeiübergriffen auf Fußballfans recherchiert, die wir Euch nicht vorenthalten wollen…

FC AUGSBURG – 1. FC KAISERSLAUTERN (29.04.07)

www.der-betze-brennt.de/aktuell/pressespiegel.php?artikel=1896
www.stadionwelt-fans.de/index.php?head=FCK-verurteilt-Polizeieinsatz-beim-Spiel-in-Augsburg&folder=sites&site=news_detail&news_id=827
www.youtube.com/watch?v=IsvL8Ol955c

TSV AMATEURE – BAYERN AMATEURE (09.12.07)

www.sueddeutsche.de/muenchen/uebergriffe-bei-fussballspiel-amnesty-kritisiert-polizeigewalt-1.1926
www.sueddeutsche.de/muenchen/ermittlungsverfahren-gegen-usk-beamte-unter-pruegelknaben-1.538253
www.sueddeutsche.de/muenchen/video-von-polizeieinsatz-verschwunden-vermisste-beweise-1.1016074

BAYERN AMATEURE – DYNAMO DRESDEN (16.08.09)

Interview mit zwei Betroffenen der Übergriffe auf Dresdner Fans nach dem Spiel FC Bayern Amateure – Dynamo Dresden am 16.08.2009 (Bilder zu den Vorfällen findet Ihr unter http://ultras-dynamo.de/ud2010/gallery/category/52)

Profans München: Was ist genau nach dem Spiel passiert und wer war betroffen?

Betroffener 1: Aus unserer Sicht wollte man die Dresdner Fans nach dem Spiel in einem aus mobilen Zäunen bestehenden Kessel vor dem Gästeeingang sammeln und dann kontrolliert oder was auch immer abmarschieren lassen. Der Bereich war aber für die ich glaub 1800 Fans viel zu klein. Deswegen versuchte man die feste Stadionumzäunung wieder zu schließen. Dabei kam es zu Rangeleien und Pfeffersprayeinsatz. Im weiteren Verlauf stürmte das USK in den Kessel und trieb die Massen auseinander, die dann teilweise, vielleicht sogar in Panik, die mobilen Zäune überwinden wollten. Weiterhin wurden auch die Fans innerhalb des Stadionumlaufs durch das USK mit Pfefferspray durch den massiven Eisenzaun besprüht, was aus unserer Sicht völlig unnötig war. Dabei sind dann auch mehrere unbeteiligte Fans, darunter auch Kinder, verletzt wurden.

Die Staatsanwaltschaft München schreibt dazu: Die Einsatzkräfte „hatten u.a. den Auftrag, die Abwanderung der verschiedenen Fangruppen – respektive des Gastvereins – zu überwachen und Konflikte zu vermeiden. (…) Im Zuge der Abwanderung kam es jedoch (auch aufgrund der eingerichteten Absperrungen) wiederholt zu Stauungen und Verzögerungen, wodurch sich zunächst eine verbal-aggressive Stimmung entwickelte. Diese steigerte sich schließlich in beleidigende Äußerungen gegenüber den Polizeibeamten… (…) Hierauf erfolgten vereinzelt Einsätze des mitgeführten dienstlichen Pfeffersprays. Teilkräfte … des USK München entschlossen sich zur Vermeidung weiterer Gewalteskalationen, die Absperrung zu überspringen um den Versuch zu unternehmen, die andrängende Menge zu lockern bzw. umzuleiten.”
Der Vorfall mit dem Pfefferspray durch den Zaun “konnte nach den durchgeführten Ermittlungen den Beschuldigten … und … zugerechnet werden. Diese gaben selbst an, …. das Reizstoffgerät eingesetzt zu haben.” “Aus ihrer Sicht habe … die konkrete Gefahr bestanden, dass der Zaun ausgerissen und es im Anschluß zu weiteren Aggressionshandlungen hätte kommen können.”
Für die Beamten “lag keine Situation vor, bei der sie typischerweise mit der Anwesenheit von Kindern inmitten von randalierenden Fangruppen rechnen mussten.“

Profans München: Inwieweit hattet Ihr den Eindruck, dass das Verhalten und die Grundeinstellung der eingesetzten Beamten für die Eskalation der Situation verantwortlich war?

Betroffener 1: Erstens erfolgten keine Ansagen, die das undurchsichtige Vorhaben hätten erklären können!
Zweitens ist das Vorhaben auch aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar!
Drittens, wie kann man „zur Vermeidung weiterer Gewalteskalationen“ in eine eingekesselte Menge stürmen?
Viertens, warum muss ich ein Notwehrmittel gegen Menschen einsetzen, die sich hinter einem massiven Stahlzaun befinden?

Betroffener 2: Schon allein die schiere Masse und der Ruf unserer Fanszene vermittelte mir den Eindruck, dass die Polizei, ob nun USK oder andere Einheiten gleich von vornherein eine harte Schiene fahren und klar sagen wollte, wer die Regeln vorgibt, bestimmt und auf ihre Einhaltung achtet – Vorkontrollen, enger Kessel, geregelter Ablauf etc. Allerdings bin ich mir auch nie ganz sicher, ob das in München nicht allgemein bei jedweder Fanszene, egal wie klein und „ungefährlich“ sie auch sein mag, der Fall ist.

Profans München: Waren nur USK-Beamte oder auch Bereitschaftspolizisten beteiligt?

Betroffener 1: Laut Staatsanwaltschaft München:
- Vertreter des USK-Würzburg (III. Bereitschaftspolizeiabteilung)
- Einheiten der 15. Bereitschaftspolizeihundertschaft USK-Nürnberg
- Teile der USK-Einheit des Polizeipräsidiums München (PI-Ergänzungsdienste 3, I. Zug)

Anmerkung: Die grünen Einsatzkräfte waren relativ zurückhaltend, aggressiv waren nur die “Schwarzen”. Auffallend ist auch, dass sämtliche Vorwürfe im Verfahren dem USK München zuzuschreiben sind….

Profans München: Könntet Ihr als Betroffene Euch vorstellen dass eine (gerichtliche) Aufarbeitung der Ereignisse eine Verantwortung der Polizei zu Tage bringen würde, oder habt Ihr kein Vertrauen in die Instanzen?

Betroffener 1: Die Staatsanwaltschaft hat ermittelt, aus ihrer Sicht den Polizeieinsatz aber als nicht strafbar eingeschätzt und das Verfahren eingestellt. Beweise, Zeugenaussagen und auch Videomaterial müsste ausreichend vorhanden sein. Wie ein Gericht dann entscheiden würde, bleibt offen…
Gegen den Bescheid wurden Rechtsmittel eingelegt, der Ausgang des Verfahrens ist demnach noch nicht bekannt. Weiterhin besteht noch die Möglichkeit einer Zivilklage.

Betroffener 2: Ich persönlich habe kein Vertrauen in eine eigenständige, gerichtliche Aufarbeitung der Ereignisse im Freistaat Bayern. Wenn dann nur flankiert von einer starken Begleitung durch Medien, spezifische NGOs und auch der politischen Oppositionsparteien im Landtag bzw. der Stadtregierung. Da muss ich immer an den Fall dieses einen Polen denken, der an der Isar “illegal” gegrillt hat…

Profans München: Würde eine Kennzeichnung der Beamten für die konkreten Situation Eurer Meinung nach was bringen? Denkt Ihr eine Aufklärung wäre vielleicht besser verlaufen, wenn es eine neutrale Untersuchungsstelle geben würde?

Betroffener 1: Die Ermittlungen konnten die Namen der Beschuldigten offenlegen, allerdings scheinbar nicht zweifelsfrei die Taten den einzelnen „Tätern“ zuordnen.
Eine Identifizierung der Beschuldigten wäre mit Anbringung einer Kennzeichnung sicherlich effektiver, zumal selbst auf den Polizeivideos nicht zu erkennen ist, wer sich hinter seiner Uniform versteckt!
Die Staatsanwaltschaft schreibt dazu: „Unter Gesamtschau der Ermittlungsergebnisse war das Verfahren jedoch vollumfänglich einzustellen, da der Nachweis individualisierbaren, strafrechtlich vorwerfbaren Verhaltens nicht mit der für eine Anklage erforderlichen Sicherheit geführt werden kann.“

Profans München: Danke für die Antworten.

FC BAYERN – SPVGG. FÜRTH (10.02.10)

www.greuther-fuerth.de/v3/aktuelles/news.php?chronik=0&newsnr=6367
www.kleeblatt-forum.de/viewtopic.php?f=10&t=8041&start=45
www.spvggfuerth.de/leserbrief.pdf

WEITERE INTERESSANTE HINTERGRÜNDE

www.tennessee-eisenberg.de (!!!)
www.youtube.com/watch?v=WA8GlNFCv08
www.youtube.com/watch?v=87LsXi0SiSo
www.sueddeutsche.de/muenchen/mobbing-affaere-die-boesen-spaesse-einer-sondereinheit-1.931250
www.sueddeutsche.de/muenchen/polizei-in-der-kritik-rambo-methoden-gegen-wildgriller-1.148561

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Löwen- und Bayern-Fans vereinen sich zum Kampf gegen Polizeigewalt

Hier nun der Pressbericht zur Amnesty-Veranstaltung am 25.01.2011:

“München – Löwen- und Bayernanhänger trommeln gemeinsam mit Amnesty International für eine individuelle Kennzeichnung von USK-Beamten.

Es ist eine bemerkenswerte Runde, die sich am Dienstag im Feierwerk an der Hansastraße versammelt hat. Löwenfans, Bayernfans, Rechtsanwälte, ein Menschenrechtler und mehrere Stadtpolitiker sitzen gemeinsam auf dem Podium. Es geht um ein Thema, bei dem sich ausnahmsweise alle einig sind: Polizeigewalt im Rahmen von Fußballspielen. Zu häufig passiere es, dass Beamte der Polizei – insbesondere Mitglieder des Unterstützungskommandos (USK) – Fans misshandelten und aufgrund fehlender Identifizierbarkeit ungestraft davonkämen. „Deshalb stellen wir heute die Rivalität zwischen den Vereinen hinten an, um gemeinsam etwas zu erreichen“, sagt Henning Tidelski vom Bayern-Fanclub „Münchner Schickeria“.

Die Forderungen der Fangruppen entsprechen denen einer aktuellen Kampagne von Amnesty International: Polizeibeamte sollen erstens durch eine Ziffernfolge auf der Uniform klar gekennzeichnet sein und zweitens von einer unabhängigen Untersuchungsgruppe kontrolliert werden. Bisher liegt die Bearbeitung entsprechender Anzeigen gegen Polizisten bei der Polizei selbst – „es gibt keine institutionelle Unabhängigkeit“, kritisiert Rechtsanwalt Marco Noli.

Der Jurist vertritt unter anderem zehn Mandanten, die im Dezember 2007 beim Besuch eines Amateur-Spiels zwischen dem TSV 1860 und dem FC Bayern im Grünwalder Stadion durch Polizeischläge verletzt wurden (wir berichteten). Herbert Schröger, Mitglied bei „Löwenfans gegen Rechts“, war bei dem Spiel dabei. Als sich die Türen nach Ende der Blocksperre öffneten, sei plötzlich eine Gruppe von USK-Beamten auf die Fans zugestürmt und habe „ein wildes Geknüppel“ begonnen. Es sei dabei keine Rücksicht auf Geschlecht oder Alter genommen worden. „Ich gehe seit 35 Jahren zum Fußball, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Schröger. „Und ich möchte das auch nie wieder erleben.“

Ähnliches berichtet Jörg Strauß von der Spielvereinigung Fürth. Er war am 10. Februar beim Pokalspiel gegen den FC Bayern zu Gast. Am Stadion sei es im Streit um eine mitgebrachte Trommel zu einem Handgemenge gekommen. Die Reaktion des USK war für Strauß völlig unverhältnismäßig: „Aus dem Nichts kamen sie angerannt und haben wild in die Menge geprügelt.“ Strauß steht abseits – dennoch verbringt er den Rest des Spiels mit weiteren, „zufällig anwesenden“ Fans auf der Stadionwache. „Ich kam mir vor wie ein Bauernopfer.“ Wer die Geschehnisse filmen oder fotografieren wollte, sei gezwungen worden, die Aufnahmen zu löschen, zahlreiche Fans hätten gebrochene Arme, Rippen und Gehirnerschütterungen davongetragen.

In beiden Fällen versuchten die Opfer, den Namen oder die Dienstnummer der betreffenden Polizisten zu erfahren – ohne Erfolg. So hat eine Klage gegen Polizisten wenig Erfolg, weiß Marco Noli. Bis heute gebe es keine Ergebnisse zu den Untersuchungen beider Spiele. „Kein einziger Beamter wurde vernommen, die Verfahren laufen gegen Unbekannt.“

Um das künftig durch eine individuelle Kennzeichnung, etwa mit einer Nummer, zu ändern, müsste das Innenministerium zustimmen. Die Chancen dafür stehen schlecht: „Wir sind klar gegen die Kennzeichnungspflicht“, sagt Sprecher Holger Plank. Seine Argumente bringt auch die CSU im Landtag immer wieder vor, die Partei lehnt entsprechende Anträge seit Jahren ab: Eine namentliche Kennzeichnung berge die Gefahr der Verfolgung Einzelner durch radikale Gruppen. Eine numerische Kennzeichnung mache nur bundeseinheitlich Sinn – und dafür gebe es keine Mehrheit.

Alexander Bosch von Amnesty hält dagegen: Im Ausland und auch in Berlin gelte die Pflicht ohne Probleme. Das sieht auch die FDP so, doch sie wird nicht gegen ihren Koalitionspartner stimmen. Das wissen die Fans – und sind sich nochmals einig: Ihre einzige Chance ist die Öffentlichkeit.”

Bericht von: merkur-online.de

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