Begleitung der Fangruppe “Schickeria” und Beobachtung der Sicherheitskräfte im Stadion beim Champions-League Spiel Inter Mailand gegen FC Bayern München am 27.09.2006

Gedächtnisprotokoll von Rechtsanwalt Marco Noli

Die Kontrollen beim Einlaß in das Stadion waren erstaunlich locker. Dies galt für die Mailänder Zuschauer und die Bayernfans gleichermaßen. Für die Bayernfans gab es einen abgesperrten Eingang, der von mehreren zu einem Halbkreis formierten Polizeibussen und zahlreichen Polizisten abgesichert wurde. Bayernfans mit Karten im Fanblock durften das Stadion ausschließlich über diesen Zugang betreten. Die Einlaßkontrolle war eher oberflächlich, ein Abtasten fand nicht statt.

Auch die Kontrollen an den Zugängen für die Mailänder Fans waren nicht sehr streng bzw. offensichtlich leicht zu umgehen. So konnte ich beobachten wie ein Mailänder Fan mehrere Bierflaschen aus Glas ins Stadion mitnehmen konnte. Überraschenderweise wurde direkt vor den Eingängen außerhalb des Stadions Pilsbier aus Flaschen verkauft, was zur Folge hatte, dass einige Fans versuchten, mit den Flaschen ins Stadion zu gelangen. Die Ordner forderten diese zwar höflich auf, das Getränk in Plastikbecher umzufüllen. Nach einigem Hin und Her und unter dem Druck der ungeduldig Wartenden, legte der Ordner jedoch keinen Wert mehr darauf, das Umfüllen zu bewachen und so ging der Mailänder Fan mit gleich mehreren Flaschen unbehelligt ins Stadion.

Offensichtlich konnten auch noch weitere Gegenstände ins Stadion mitgebracht werden. Mitte der ersten Halbzeit sah man in der Mailänder Kurve im Oberrang zwei Bengalische Feuer brennen.

Die Bayernfans waren in ihrer Kurve im Unterrang untergebracht. Der Oberrang in der Gästekurve war von Interfans besetzt. Die Fangruppe “Schickeria” hatte sich in der Mitte des Blocks hinter eingefunden, der gesamte Block war etwa zur Hälfte gefüllt.

Im Block befanden sich mehrere uniformierte Carabinieri und einige Ordner, die orangefarbene Leibchen trugen. Einige der italienischen Ordner waren in Zivil. Es handelte sich bei diesen offensichtlich um die Verantwortlichen des Ordnungsdienstes, da sie den Ordnern Anweisungen erteilten. Die Carabinieri bildeten eine Kette, um auf der rechten Seite des Blocks eine Absperrung zu den benachbarten Blöcken zu schaffen. Die restlichen Carabinieri standen ganz unten links im Block und beobachteten zusammen mit den Ordnern entspannt und abwartend das Geschehen in der Kurve und auf dem Platz.

Der FC Bayern selbst hatte offensichtlich auch vier Mitarbeiter seines Ordnungsdienstes mit nach Mailand genommen. Diese waren an dunklen Regenjacken und roten Kappen mit FCB-Emblem unschwer zu erkennen. Diese positionierten sich in Zweier-Teams links und rechts im Fanblock an den Aufgängen und beobachteten entspannt die Lage. Ob noch weitere Mitarbeiter des Ordnungsdienstes des FC Bayern oder der Münchener Fanpolizei in Zivil im Block anwesend waren, konnte ich nicht feststellen.

Allerdings konnte man den Leiter der Münchener Fanpolizei, Herrn Röschinger, sehen, der sich im Innenraum des Stadions am Spielfeldrand aufhielt.

Die Stimmung im Bayernblock war von Anfang an grundsätzlich gut, wurde jedoch hin und wieder dadurch gestört, dass es offensichtliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Fanlagern gibt. Ein stimmungsvoller Auftakt war zunächst das sehr schön anzusehende Konfettiwerfen zum Anpfiff. Die danach natürlich herumliegenden Papierschnipsel besorgten zwar die italienischen Ordner sichtlich. Das Problem wurde jedoch kurzer Hand dadurch gelöst, dass ein Putztrupp mit Überdimensionalen Besen herbeigerufen wurde und den Weg unten im Block, wo sich das meiste Papier gesammelt hatte, innerhalb kurzer Zeit säuberte.

Die Stimmung im Block wurde dadurch getrübt, dass sich die verschiedenen Fangruppen selten auf gemeinsame Gesänge und Anfeuerungsrufe einigen konnten und teilweise gegenseitige Mißmutsäußerungen stattfanden. Diese gipfelten darin, dass in der Halbzeitpause von einigen Fans, die sich im oberen Bereich des Blocks befanden, die ich aber keiner bestimmten Fangruppe zuordnen konnte, rechtsradikale Parolen gerufen wurden. Von ca. 10 Personen wurde dabei wörtlich gerufen: “SS, SA…Bavaria”. Diese Äußerung brachte wiederum die Fans in den unteren Bereichen, insbesondere die Fans der “Schickeria”, in Rage, welche wütende Rufe wie “Nazis raus!” etc. entgegneten.

Die Stimmung im Block wurde dadurch getrübt, dass sich die verschiedenen Fangruppen selten auf gemeinsame Gesänge und Anfeuerungsrufe einigen konnten und teilweise gegenseitige Mißmutsäußerungen stattfanden. Diese gipfelten darin, dass in der Halbzeitpause von einigen Fans, die sich im oberen Bereich des Blocks befanden, die ich aber keiner bestimmten Fangruppe zuordnen konnte, rechtsradikale Parolen gerufen wurden. Von ca. 10 Personen wurde dabei wörtlich gerufen: “SS, SA…Bavaria”. Diese Äußerung brachte wiederum die Fans in den unteren Bereichen, insbesondere die Fans der “Schickeria”, in Rage, welche wütende Rufe wie “Nazis raus!” etc. entgegneten.

Während des Spiels konnte ich im Bayernblock sehen, dass drei Mal ein bengalisches Feuer auf dem Boden lag und brannte und einmal -nach dem Führungstreffer für die Bayern- eine Leuchtrakete gezündet wurde. Ich konnte jedoch nicht sehen, von wem bzw. wo diese pyrotechnischen Gegenstände jeweils angezündet wurden. Daher konnte ich diese weder bestimmten Personen, noch bestimmten Fangruppen zuordnen.

Nach dem zweiten Tor der Bayern standen plötzlich zwei Interfans im Bayernblock, die eine leicht aggressive Aura umgab. Ich wunderte mich, wie diese in den Block gelangen konnten und warum sie nicht hinausgebeten wurden. Sie hielten sich dann jedoch in der Nähe der Ordner und Polizisten unten links im Block auf und wurden von den Bayernfans ignoriert. Daher kam es zu keinerlei Aggressionen oder körperlichen Auseinandersetzungen.

Insgesamt gab es keinerlei Probleme mit den Sicherheitskräften. Diese verhielten sich äußerst zurückhaltend und entspannt.

Nach dem Spiel mussten die Bayernfans zunächst eine Stunde im Block warten und wurden anschließend auf den Busparkplatz hinausbegleitet. Der Weg war von einer martialisch anmutenden Formation mit Schlagstöcken und Schutzschilden ausgerüsteter Carabiniere gesäumt. Dies sollte jedoch wohl eher vorsorglich dem Schutz der Bayernfans dienen und war daher in keiner Weise bedrohlich. Die Fangruppe “Schickeria” wurde beim Hinausgehen vom Leiter der Münchener Fanpolizei, Herrn Röschinger, sowie einem italienischen Ordner in Zivil begleitet. Das Verlassen des Stadions verlief ebenfalls ruhig und ohne Zwischenfälle.

Marco Noli
Rechtsanwalt

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