…50+1-Regel

Profans spricht sich vehement für den Erhalt der “50+1-Regel” in den Statuten des DFB aus. Diese Regel verhindert, dass Investoren die Kontrolle über ganze Fußballvereine in Form der Stimmmehrheit an sich reißen und sich so die Vereine noch weiter von den Fans und Mitgliedern – ihrer Basis – entfernen.

Leider hat sich in den letzten Tagen einiges bezüglich der “50+1-Regel” getan. Das ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen gab einem Antrag von Hannover 96-Präsidenten Martin Kind statt und weicht damit die “50+1-Regel” auf.

Ausführlich könnt Ihr das in einer Presseerklärung von Hannover 96 vom 30.08. nachlesen:
Hannover 96-Presseservice: 50+1: Hauptantrag stattgegeben

Hannover (ots) – Das Ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen hat dem von Hannover 96 in der mündlichen Verhandlung vom 04. Juli 2011 gestellten Hauptantrag mit Schiedsspruch vom 25.08.2011 stattgegeben.

Auf der Grundlage dieser Entscheidung erhalten die Vereine der DFL die Möglichkeit, im Rahmen einer langfristigen Kooperation mit Förderern diesen nach Ablauf von 20 Jahren die Kapital- und/oder Stimmenmehrheit an der lizenzierten Gesellschaft zu übertragen. Die für diese Ausnahme geltenden umfangreichen Auflagen und Bestimmungen der Satzung der DFL bleiben im bisherigen Umfang erhalten und sind zu beachten.

Die Gesellschafter von Hannover 96 werden ihr langfristiges Engagement für die Förderung des Fußballsports in der Region Hannover fortsetzen. Der Schiedsspruch bietet die angestrebten Perspektiven für die weitere Entwicklung von Hannover 96.

Der Geschäftsführer von Hannover 96, Martin Kind, bewertet den Schiedsspruch wie folgt:

“Wie begrüßen dieses Urteil, es bestätigt unsere Rechtsauffassung. Hannover 96 hat jetzt langfristig, auf Jahrzehnte, die Chance zu einer perspektivischen Entwicklung und verantwortungsvollen Nutzung seiner Potenziale. Wir konnten deshalb auch einer Lösung den Weg ebnen, bei der es grundsätzlich bei der bisherigen 50+1-Regelung bleibt und die es in der vom Gericht festgelegten Fassung gleichzeitig ermöglicht, dass unsere speziellen Interessen gewahrt werden sowie die berechtigten und vernünftigen Motive der 50+1-Regelung erhalten bleiben.

Dem Schiedsgericht danke ich für eine sehr umsichtige und faire Verhandlungsführung.”

Hier die Position von PROFANS zur “50+1-Regel”

Die so genannte 50+1-Regel ist in den Statuten von DFB und DFL festgeschrieben. Sie besagt, dass bei einer Ausgliederung der Profiabteilung eines Fußballvereins der Mutterverein mindestens 50 Prozent plus 1 Stimme bei der Versammlung der Anteilseigner der gegründeten Kapitalgesellschaft haben muss. Dies ist allerdings nicht auf den Kapitalanteil bezogen, hier ist es schon heute möglich, dass Investoren mehr als 50% an einer Bundesligamannschaft halten. So lautet §8 Abs. 2 der DFL-Satzung:

„Der Verein („Mutterverein“) ist an der Gesellschaft mehrheitlich beteiligt („Kapitalgesellschaft“), wenn er über 50 % der Stimmenanteile zuzüglich mindestens eines weiteren Stimmenanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügt. Bei der Kommanditgesellschaft auf Aktien muss der Mutterverein oder eine von ihm zu 100 % beherrschte Tochter die Stellung des Komplementärs haben. In diesem Fall genügt ein Stimmenanteil des Muttervereins von weniger als 50 %, wenn auf andere Weise sichergestellt ist, dass er eine vergleichbare Stellung hat wie ein an der Kapitalgesellschaft mehrheitlich beteiligter Gesellschafter. Dies setzt insbesondere voraus, dass dem Komplementär die kraft Gesetzes eingeräumte Vertretungs- und Geschäftsführungsbefugnis uneingeschränkt zusteht.“
Während diese Regelung bei der großen Mehrheit der Fans und auch der in DFB bzw. DFL organisierten Vereine unumstritten ist, möchte vor allem Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, diesen Absatz aus den Satzungen von DFB und DFL gestrichen haben. Er und weitere Kritiker versprechen sich davon einen wachsenden Kapitalstock und konkurrenzfähigere deutsche Vereine auf europäischer Ebene.

PRO FANS spricht sich ganz klar für den Verbleib der Regelung in den Satzungen von DFB und DFL aus. Auch wenn die Regelung von den „Werksvereinen“ aus Leverkusen und Wolfsburg schon unterlaufen worden ist, kann nach unserer Auffassung kein Interesse daran bestehen, weitere Retortenclubs á la Hoffenheim zu schaffen. Ebenfalls gilt es zu verhindern, dass Vereine (wie schon im Ausland geschehen) in die Hände von Finanzinvestoren geraten und diese die Farben, Werte und Traditionen mit Füßen treten. Das Beispiel RB Salzburg zeigt ganz klar, dass es einen solchen Einfluss von Investoren in Deutschland nie geben darf.

Es muss hinterfragt werden, warum ein Sponsor Gelder an einen Bundesligaverein zahlt. Als Herzensangelegenheit geht ein solches Engagement wohl kaum durch. Möglicherweise ist es so, wie Herr Kind angedeutet hat, dass ein Spekulieren mit Klubs durch diverse Regelungen (z.B. Mindestlaufzeit für ein Sponsoring 7 Jahre) verhindert werden kann. Aber kein Sponsor zahlt ohne entsprechende Gegenleistung. Fällt die 50+1 Regel, stünde den Investoren Tür und Tor offen, jegliche Gegenleistung einzufordern. Viel Platz für Werbung ist in den Stadien oder auf den Trikots der Spieler allerdings nicht mehr. PRO FANS befürchtet eine zumindest langfristig ähnliche Entwicklung wie in Österreich, wo es Gang und Gebe ist, den Namen des Sponsors im Vereinsnamen zu führen oder die Trikotfarben nicht mehr mit den traditionellen Farben der Vereine überein stimmen.

Auch erschließt sich für uns der Vorteil für die Gesamtheit der Bundesligavereine nicht. Zwar würde vermutlich ein Großteil der Vereine neue Investoren erschließen können, doch ist es unwahrscheinlich, dass kleinere Vereine deutliche finanzielle Zugewinne machen können. Viel wahrscheinlicher ist es, dass eine handvoll der schon jetzt erfolgreichen Vereine das große Geld unter sich ausmachen. Da Geld wohl (leider) in der Tat Tore schießt, werden diese Vereine evtl. auf europäischer Ebene tatsächlich erfolgreicher sein. Innerhalb Deutschlands wird die Spanne zwischen arm und reich allerdings zunehmen. So werden es kleinere Vereine deutlich schwerer haben, eine Überraschung zu schaffen. Viel mehr werden die vorderen Plätze der Bundesliga unter den immer gleichen Vereinen ausgemacht, nämlich denen mit dem größten verfügbaren Kapital.

Schon heute wird der Fußball durch unvorstellbar hohe Geldsummen beherrscht. Der Wegfall der 50+1 Regel wäre ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. In eine Zukunft, in der er noch mehr als ohnehin schon vom Geld gelenkt wird. In der er sich noch mehr als ohnehin schon von seinen Fans distanziert. In der es für Geringverdiener noch schwieriger als ohnehin schon sein wird, sich regelmäßig Spiele im Stadion anzuschauen. Uns als PRO FANS erschließt sich kein einziger Vorteil durch die Abschaffung der 50+1 Regel. Daher spricht sich unser Bündnis entschieden für den Erhalt dieser Regel aus.

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